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DAS LIEBLOG

Weblog des Schriftstellers, Künstlers und Performing Artists Norman Liebold

Autorengefasel

Amator Veritas eBooks für den Kindle

Von Norman Liebold geschrieben am: 17.01.2012 unter Autorengefasel, Büchermeldungen, Nähkästchen

eBook-Cover des Märenborns

eBook-Cover des Märenborns

Das eBook kommt. Selbst ich, der ich meine Bücher mit Füllfederhalter in Notizbücher schreibe und erst damit an den Rechner gehe, wenn das Buch fertig ist, habe mittlerweile einen eBook-Reader und muß gestehen, dass es angenehm zu lesen und ausgesprochen praktisch ist – bei einem Bücherwurm wie mir bestand ein Grossteil meines Reisegepäcks aus Lesestoff. Jetzt habe ich ein kleines, handliches Gerät mit einer ganzen Bibliothek darauf. Selbst beim Schreiben nutze ich das Gerät, wenn ich Zitate nachschlagen möchte.

Für die eBook-Leser gibt es ab sofort sämtliche meiner Bücher auch als eBook-Variante. Erst einmal für den Amazon Kindle, vor Ablauf des nächsten Monats auch als ePub auf LIBREKA!. Nicht uninteressant dabei ist, dass auch einige der Bücher, die leider ausverkauft sind und deren Neuauflage hinter anderen, neueren Projekten zurücksteht, auf diese Weise wieder verfügbar sind:

  • Krähe und Nachtigall
  • Der Minnesänger-Komplex
  • Die Sieben Kelche
  • Sternenkinder

Einige der Editionen sind mit einigen neu hinzugekommenen Illustrationen versehen. Im Preis liegen die eBook stets und in manchen Fällen wesentlich unter dem Preis für die Printausgabe.

Neugierig?

Hier gehts zu den eBook-Shops:

  1. www.lieboldbuch.de
  2. www.siebengebirgskrimi.de
  3. www.amator-veritas.de
  4. www.amazon.de (Kindle-Shop)


[Norman Liebold, 17.01.2012
Autorengefasel, Büchermeldungen, Nähkästchen
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Was zu Naschen – die Bücher sind da!

Von Norman Liebold geschrieben am: 28.11.2011 unter Autorengefasel, Büchermeldungen, Nähkästchen

Photo: Norman Liebold, 2011.

In den letzten Tagen ist einiges geschehen, daß mich nach den langen, dunklen Jahren zwischen 2005 und 2011 wieder gänzlich ganz fühlen läßt. Der gemütliche Geburtstagsabend zum 35igsten, der mir zeigte, daß ich trotz 2005 in Asche zerfallener Blutfamilie eine riesige Wahlverwandtschaft habe und endlich zuhause angekommen bin (einschließlich meiner endlich aus Leipzig geholten Restmöbel und vor allem meiner Bibliothek) ist daran gewiss nicht unschuldig. Aber pünktlich zum Beginn des vierten Lebensalters sind auch meine drei neuen Bücher angekommen, und wie man sieht, findet das auch die Schriftstellerkatze Nadu genau so grossartig wie ich. (Signierte Exemplare können sofort bei mir oder im Verlags-Shop bestellt werden.). Der neue Roman “Der Stift” ist begonnen und reißt meine Aufmerksamkeit an sich. Er ist eine ziemliche Herausforderung und eine Gradwanderung in vielfacher Hinsicht, denn ich packe dabei so manches heiße Eisen an, an das ich mich bisher nicht getraut habe. Ich halte in der Schreibwerkstatt zum Stift auf dem Laufenden.



[Norman Liebold, 28.11.2011
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Niederschrift des “Stiftes” begonnen – vom Schriftsteller

Von Norman Liebold geschrieben am: 16.11.2011 unter Autorengefasel, Nähkästchen

[Dieser Artikel ist der 2. von 2 Teilen in der Reihe Schreibwerkstatt: Der Stift]

Schloss Hohenprießnitz. Foto: Norman Liebold, 2011 (Handy)
Heute Morgen um sechs die Niederschrift von  “Der Stift” begonnen. Der Auftakt ist bei dieser Geschichte vielleicht das Schwierigste. Das hat seine Gründe. “Der Stift” wird eine Gradwanderung werden, nicht nur, aber auch wegen seiner politischen Ebene, derentwillen ich sehr vorsichtig sein muss, was die Schilderung bestimmter Umstände angeht. Nun ist die Geschichte aber in weiten Bereichen von den Umständen abhängig, unter denen die Idee entstand. Natürlich könnte ich diese extrem verfremden, und vielleicht auch so, daß sie trotzdem noch funktioniert, aber ich stelle beim Schreiben fest, daß ich das in diesem Fall nicht will. Zum einen, weil die Abbildung der Verhältnisse hier einer der Aspekte ist, die die Geschichte motiviert und ich das Unglaubliche daran wahrheitsgetreu nachzeichnen will. Zum anderen aber auch, weil in dieser Story nicht nur eine politische Abrechnung steckt, sondern eben auch und vielleicht genau so wichtig, eine sehr persönliche. Und so ist die Profession des Protagonisten nach vielen Gedankenexperimenten doch die Schriftstellerei geworden. Das löst widersprüchliche Gefühle aus. Zum einen Freude, in diese Geschichte viel hineinpacken zu können, was wesentlich ist für meine eigene Profession, und, nicht zuletzt, auch einige Szenen nicht aussparen zu müssen, die die Geschichte bunter und lebendiger machen. Zum anderen aber auch ein leise mulmiges Gefühl, wie es nur die sich aufdrängende Deckungsgleichheit real Erlebten mit romanhaft Geschildertem auslösen kann. Jedes Buch ist wie ein Sog, ein Strudel, der einsaugt und mit vergrabenen Dingen konfrontiert. Und da ein Buch oft, wenn Jahre nach der Ideenfindung der Reifeprozess abgeschlossen ist und die Niederschrift begonnen wird, irgendwo in seinen tiefsten Tiefen ein Jonglieren mit Ungeklärtem, Unausgesprochenen und das Kratzen an schlecht verheilten Wunden ist, ist das etwas Gefährliches. Dieses Mal in mehrfacher Hinsicht, denn dieser politische Künstlerkrimi – ich nenne es mal so, schon weil er sich immer mehr als Bruder vom “Ruhestand” (2005) heraus stellt – ist auch durchaus nicht ungefährlich für mich. Eine gewisse Verfremdung ist daher aus verschiedenen Gründen absolut notwendig. Zum einen literarisch, da ich keine autobiographische Selbstbespiegelung zu Papier bringen möchte, sondern einen allgemeingültigen und spannenden Kriminalroman. Aber zum anderen eben auch, damit mir kein Strick daraus gedreht werden kann. Ein Aspekt der Verfremdung hat sich bei der gerade vollendeten Szene klar herauskristallisiert: Die Orte werden verwischt, vermischt und verallgemeinert. Das Bild oben zeigt das Schloss Hohenprießnitz, in dem mein Bruder einige Jahre in vergleichbaren Umständen lebte wie ich in der “Stiftung”. Allerdings ohne die politischen Verwicklungen. Es wird einer der etlichen Vorbilder sein, aus denen ich den Stift destilliere. Was jedoch nicht umgangen werden kann, ist die Verortung in der ehemaligen DDR, denn diese ist wesentlich und ohne sie kann die Geschichte nicht funktionieren. Mit einem Maler oder Musiker hingegen schon, aber nichtsdestotrotz wird der Protagonist dieses Mal ein Schreiberling werden. Ein analytisches, selbstverwühltes Recherchetier eignet sich einfach am besten für diese Geschichte.



[Norman Liebold, 16.11.2011
Autorengefasel, Nähkästchen
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Die Büchse der Pandora – “Der Stift” begonnen

Von Norman Liebold geschrieben am: 13.11.2011 unter Autorengefasel, Nähkästchen

[Dieser Artikel ist der 1. von 2 Teilen in der Reihe Schreibwerkstatt: Der Stift]

Norman Liebold an einem der Eingänge zu den Ofenkaulen, wo sein neuer Horror-Roman "Die Höhle" (erschienen: 11.11.2011) spielt. Foto: Anke Böser.
Heute Morgen stand ich wie üblich, wenn meine Liebste zur Arbeit muss, mit ihr um fünf auf und setzte noch mein Auto aus der Einfahrt – als wir gestern nocheinmal an den Ofenkaulen waren, um Bilder vom Schauplatz von “Die Höhle” zu machen, meinte ein unaussprechliches Subjekt, dem ich am liebsten die Eier abschneiden und sie ihm zu Fressen geben würde, ihr Auto aufzubrechen, indem es die Scheibe der Beifahrertür zerschlug. Auch wenn es natürlich dramatisch zu berichten wäre, denke ich noch nicht einmal ansatzweise, dass der Geist auf diese Weise sein Mißfallen auszudrücken beliebte, dass ich ihm literarisch huldigte. Dieser nämlich war ausgesprochen umgänglich, ja fast freundlich, was ich natürlich als Abnicken der “Höhle” nehme. Nein, dieser vandalisierende Sohn einer räudigen Hündin war schlicht und ergreifend ebenso verachtenswert wie dämlich und das sind gemeinhin nur Menschen: Er klaute die Handtasche, in der sich nichts von materiellem Wert befand (soll er sich an den Magnesium-Brausetabletten erfreuen, ich gönne sie ihm!), übersah aber in seiner unbeschreiblichen Hirnamputiertheit die wohlgefüllte Brieftasche. Wenn es nicht so kalt wäre und A* nicht um halb sechs Uhr morgens eine halbe Stunde zur Arbeit fahren müßte und nicht die Wege zur Polizei wären, dann würde ich in homerisches Gelächter ausbrechen, zumal recht und links neben der kleinen Ford-K-Möhre nicht nur mein wie immer unabgeschlossener Wagen mit fetter Digitaler Spiegelreflex und einem 1.500-Euro-Laptop stand, sondern auch zwei dicke Bonzenkarren. Möge dem räudigen Hundesohn die Eier abfaulen und der Rest seines eh degenerierten Hirns aus den Ohren tropfen. Für mich bedeutet das, das ich die nächsten Tage autolos sein werde und Rosinante hoffentlich die hübsche Reiterin sicher zur Arbeit und zurück bringt. Mir gefällt es tatsächlich, auf diese Weise in meiner Klause zu Breidscheid (hinter Schreck, gleich bei Wahn) sozusagen festzusitzen, mein Öfchen knistern und knäckern zu lassen, ab und an die Schriftstellerkatze Nadu schnurrend im Bücherschrank zu streicheln und meinen Parker zu zücken, um endlich den “Stift” zu beginnen.

Die Schriftstellerkatze Nadu, drei Monate alt. Foto: Norman Liebold, 2011.
Der “Stift” erweist sich als ebenso unerschöpflich, überraschend und eigenwillig wie Nadu, die Schriftsteller-Katze. Ursprünglich – ziemlich genau vor 5 Jahren – notierte ich die Geschichtenidee als eine kleine Kriminalnovelle mit philosophisch-psychologischen Spitzfindigkeiten. Übrigens eine, die auf wahren Begebenheiten basiert. Als ich letztes Jahr – auch in etwa um diese Zeit herum – nach längerer Zeit wieder am Ort des Geschehens war und selbst ein wenig kriminell wurde, indem ich meine geliebte Stehlampe durch Einstieg in den Keller des jetzt leerstehenden Gebäudes wieder in meinen Besitz brachte, geschah etwas mit der Geschichte in mir. Sie begann, nach außen zu drängen. Der Anlaß dafür war, dass genau das, was in der Geschichtenkonstruktion von 2006 als Ende formuliert wurde, ziemlich genauso eingetroffen ist. Die Erlebnisse bei diesem Besuch hatten ein eigenartiges Gefühl, wie immer, wenn eine der in mir schlafenden Stories blinzelnd das Auge öffnet und sich ähnlich zu recken beginnt, wie man es im Bild links bei Nadu sehen kann. Seitdem und während der Arbeiten an der “Höhle” kamen immer wieder Gedankenskizzen zur Ideenniederschrift hinzu. Eine Geschichte in diesem halbschlafenen Zustand ist eine überaus bemerkenswerte Sache. Die mystische Betrachtungsweise wäre zu sagen, daß sie beginnt, sich in die Wirklichkeit auszudehnen und Dinge anzuziehen, die zu ihr gehören. Es geschehen Dinge, die Puzzlestücke aus Schubladen fallen lassen, oder sie versteckt weitere Puzzlestücke in den Taschen des Herbstmantels, so dass man, wenn man ihn Anfang November aus der Truhe holt und in die Tasche greift, plötzlich weitere Geschichten-Details in der Hand hält. Harmlos ausgedrückt.

Saalecker Werkstätten, 2002, Haupthaus
Heute Morgen begann ich also, den Geschichtenverlauf, die Charakterstrukturen und die Zeit- und Erzählebenen zu notieren und diejenigen Szenen kurz zu umreissen, die Herz- und Nierenstücke der Geschichte sind. Dass ich mich jetzt hinsetze, um davon zu berichten, liegt an dem unbedingten Gefühl, bei einem Waldspaziergang etwas seltsames aus dem Laub hervor lugen zu sehen. Etwas wie ein geschupptes Schwänzchen. Von einer Eidechse vielleicht, die es nicht rechtzeitig in ihr Winterloch geschafft hat. Und daß das Schwänzchen eisbergspitzentechnisch sich dann als Schwanz herausstellt, der kein Ende nehmen will und immer dicker wird (von der Assoziation einer Erektion bitte ich abzusehen, obgleich das Gefühl dabei nicht ganz unähnlich ist). Und während man Meter um Meter Laub wegschaufelt, immer irritierter, immer faszinierter und zunehmend furchterfüllt, steht man vor der Unglaublichkeit, ganz offensichtlich dabei zu sein, einen Drachen im Wald auszugraben. Und man erinnert sich plötzlich daran, dass man – so absurd das scheinen mag – aufgebrochen war, um Drachen zu suchen. Das kleine Spiegelkabinettchen, das ich da in Buchdeckel zu fassen gedacht hatte, erweist sich als ein Kabinett, wie Dr. Parnassus es im gleichnamigen Film von Terry Gilliam betrieb. Die zwar hinterhältigen, aber doch eher kleinen Seitenhiebe, die auf Mißbrauch von Staatsgeldern, die Ewiggestrigen und nicht zuletzt auf das Zerreissen von Familien durch historische Politikae wie die Wende oder das 3. Reich gezielt sind, mausern sich zu Rundumschlägen und das Betrachten des psychologischen Phänomens, einem alten Traum verbissen wieder nachzurennen, wenn die Wirklichkeit zu blinden Scherben zerbricht, plustert sich zu einer Generalkritik durch alle Ebenen, die in ihrer Absolutheit ein ähnlich fasziniert-furchtsames Erschauern auslöst wie der Anblick des im Laub vergrabenen Drachens. Bei diesen Dingen ist jedoch klar, dass ich sie mit Kribbeln in den Fingern angehen und die Herausforderung annehmen werde. Was beim Scribbeln als einziger Punkt noch unklar ist, ist die Frage der Leiche, bzw. ihrer kriminologischen Notwendigkeit. Irgendwie flüstert der “Stift”, dass er ein Menschenopfer braucht, und in mir wehrt es sich noch dagegen. Ich mag keine Leichen und Morde sind zum Glück höchst unwahrscheinlich. Andererseits dreht sich der Stift (unter anderem) um einige Millionen veruntreuter Gelder, und dies läßt die Wahrscheinlichkeit doch in einen Bereich steigen, dass ich ein Menschenopfer in Betracht ziehe.



[Norman Liebold, 13.11.2011
Autorengefasel, Nähkästchen
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Neue Bücher, neues Leben

Von Norman Liebold geschrieben am: 12.11.2011 unter Autorengefasel, Büchermeldungen, Nähkästchen

Drucker und Autor. Foto: Anke Böser.
Endlich ist es soweit: “Die Höhle” ist ab sofort lieferbar mit den Illustrationen von Alexander Lebedev und mir selbst. Und darüber hinaus auch der neu von Katharina Theine und mir selbst neu illustrierte “Dichterbrand” und der überarbeitete “Gläserne Sarg”. Die letzten Monate waren, wie man sich denken kann, ein einziges Durcharbeiten – und es hat sich gelohnt. Nicht nur auf der Ebene der Bücher ist viel geschehen. Die kleine Katze Nadu hat Einzug in die Schriftsteller-Klause im Bergischen Land gehalten und das Fachwerk mit unübersehbarem Vergnügen und katzentypischer Eleganz als ihr neues Königreich erklärt, und das Fachwerkgeschachtel selbst ist endlich fertig möbliert, meine Bibliothek ist mit den letzten ein, zwei Dutzend Kartons angekommen und ich fühle mich endlich zuhause. (Um Mißverständnissen vorzubeugen: Meine schreibklausurige Wohnschnecke im Siebengebirge habe ich natürlich nach wie vor, auch wenn sie jetzt tatsächlich den Charakter einer Datscha zum Zurückziehen und versunken Schreiben angenommen hat.)

Die Rejustierungen, Reanalogisierungen und Entzettelungen, die ich im letzten halben Jahr mit Kompromisslosigkeit durchzog, bzw. mich endlich getraute durchzuziehen, haben Frucht getragen. Das Gestern ist abgepackt, katalogisiert und archiviert, die Zettelkästen leer, die Schreibtische jungfräulich, die Füllfederhalter frisch befüllt und die Notizbücher voller weißer, leise flüsternder Seiten. An dieser Stelle ist es vielleicht angebracht, nochmals eine Bitte um Nachsicht anzubringen: Seit ich vorgestern wieder aus der Funksperre auftauchte, kamen derart viele Bemerkungen und Kommentare in der Richtung, dass mein Anblick Erstaunen hervorriefe, da man mich für verschollen angesehen hatte, dass ich nicht umhin komme, hier nocheinmal zusammenzufassen: Seit 2005 befleißigte ich mich eines Lebens, das effektiv nicht das Leben eines Mannes, sondern das von ca. dreieinhalb gewesen ist. Das Ende des Studiums 2007 nahm vielleicht die schizophrene Teilperson des Studiosus aus der Rechnung, aber es drängten sich direkt zwei neue in die freugewordene Lücke. Auch der Hans Dampf mußte Anfang des Jahres eingestehen, dass ihm die Puste ausging und er weder die Kraft noch (das vor allem) die Geduld hatte, Altlasten und Unnötiges weiter mit sich herum zu zerren. Ich rejustierte mich auf die Dinge, die mir wirklich wichtig sind und die sich, seit ich zurückdenken kann, nicht wesentlich geändert haben. Und schmiß den Rest über Bord, ehe ich kenterte. Danach war Entwöhnung (oder Entzugsüberwindung?) notwendig, aber auch, dass ich das Paddel nahm und den Wesen auf die Finger, Krallen und Tentakel schlug, die versuchten, wieder ins Boot zurück zu krabbeln, klettern oder schlüpfen. Was bedingte, dass ich  effektiv ein halbes Jahr nicht wirklich erreichbar war – und es auch nie wieder in der gewesenen Form zu sein beabsichtige.

Jetzt ist das jungfräuliche Moleskine aufgeschlagen, die Füller frisch befüllt und im Ofen knistert und knäckert munter das Feuerchen. Ruhe ist eingekehrt, und Freude und Leichtigkeit. Die ersten 20 Lesungen für 2012 stehen, das Sax und die Klarinette sind mit neuen Blättern bestückt und meine Bibliothek verspricht gemütliche Leseabende am Ofen. Den Winter werde ich im Fachwerk verbringen und vor allem am Krimi “Der Stift” arbeiten, die “Ansichten eines Aktmodells” endlich vollenden und mit den Siebengebirgsmärchen beginnen. Vielleicht komme ich sogar dazu, mit den Arbeiten am “Zeitenquell”, diesem äußerst umfänglichen Romanprojekt, zu beginnen, das seit 2003 in der Mache ist. Es werden viele Zeichnungen für diese Bücher entstehen und mit meinen Musikern von “WortAnKlang” werden neue abendfüllende Shows eingeprobt. Ansonsten freue ich mich auf lange Spaziergänge und schöne Konzerte, auf Stunden mit Silberarbeiten und fiebere gerade dem “Stift” entgegen, dessen spiegelnde Vielschichtigkeit eine ganz besondere Herausforderung werden wird.



[Norman Liebold, 12.11.2011
Autorengefasel, Büchermeldungen, Nähkästchen
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Dichterbrand – die Illustration der zweiten Auflage

Von Norman Liebold geschrieben am: 30.10.2011 unter Autorengefasel

Cover Dichterbrand

Cover Dichterbrand

Am 11.11.2011 bekommt der “Dichterbrand” ein neues Gewand: In seiner zweiten Auflage erscheint er auf wunderschönem Munken Volumen in Cremeweiss mit einem 300g starken Vierfarbcover, ist um 30 Seiten angewachsen, damit man ihn nicht mehr mit der Lupe lesen muss und wird auf einer Original Heidelberg Druckmaschine von 1963 gedruckt. Aber das vielleicht wichtigste und schönste ist: Für die Neuauflage haben meine Lieblingsillustratorin Katharina Theine und ich selbst uns daran gesetzt und einen Illustrationszyklus aus 10 Zeichnungen geschaffen.
Im Buch finden sie jetzt immer abwechselnd eine Zeichnung von Katharina und mir. Ihre sind in Pastell auf Din A2 gearbeitet, meine – natürlich – als Tuschezeichnungen. Die Pastellarbeiten zeigen Quirin Hundtemanns Blickwinkel, während ich den Blick auf Quirin lenke und ihn selber zeige. Wobei die letzte meiner Zeichnungen eine Ausnahme darstellt, zeigt sie doch nicht Quirin, sondern Richard Recknagel. Der Roman spielt mit Identitäten: der Literatur-Magister untersucht den Fall des Schriftstellers, der auf dem Wohnwagenplatz verbrannt ist, und unschwer läßt sich das Augenzwinkern übersehen. Der Dichterbrand entstand kurz nach meinem Magisterabschluss in verschiedenen literarischen Studienfächern und ich Schriftsteller lebte während des Magisters und die vier Jahre darauf auf ebendiesem Wohnwagenplatz. Auch Katharina spielt in ihrer letzten Zeichnung mit dieser im Roman versteckten Ironie, dass ich selbst meine eigene Verbrennung aufkläre: Wenn Sie sich die 5. Zeicnhnung von Katharinas Hand ansehen, werden Sie feststellen, dass auf dem Bucheinband des “Dichterbrand” nicht “Michael Recknagel” oder “Richard Beckmann” steht, sondern “Norman Liebold”.

Norman Liebold. Foto: Anke Böser 2011.

Die Erstellung der Illustrationen hat sehr viel Freude gemacht. Ich möchte mich an dieser Stelle ganz herzlich bei meiner Partnerin bedanken, die für mich eine Reihe von Photos machte, mit Hilfe derer ich die Faltenwurf und die eine oder andere Schwierigkeit in kuriosen Körperhaltungen studieren konnte. Die Shootings haben ausgesprochen viel Spaß gemacht!


Hier für Sie die Zeichnungen:

Illustration für das 1. Kapitel: Quirin im Sessel. Norman Liebold 2011, Tusche auf Papier 29,7 x 42 cm.
Quirin auf dem Eudenbacher Friedhof. Illustration für das 3. Kapitel von 'Dichterbrand'. Norman Liebold 2011, Tusche auf Papier 29,7 x 42 cm.
Der Widergänger. Illustration zum 9. Kapitel des 'Dichterbrand'. Norman Liebold 2011, Tusche auf Papier 29,7 x 42 cm.
Illustration für "Dichterbrand" - Quirin und die Soldaten. Norman Liebold, 2011, Tusche auf Papier.
Latein-Duell in der Buchhandlung. Norman Liebold 2011, Tusche auf Papier 29,7 x 42 cm.
Katharina Theine: Illustration zu Dichterbrand. Pastell auf Papier, Din A2.
Katharina Theine: Illustration zu Dichterbrand. Pastell auf Papier, Din A2.
Katharina Theine: Illustration zu Dichterbrand. Pastell auf Papier, Din A2.
Katharina Theine: Illustration zu Dichterbrand. Pastell auf Papier, Din A2.
Katharina Theine: Illustration zu Dichterbrand. Pastell auf Papier, Din A2.


[Norman Liebold, 30.10.2011
Autorengefasel
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Die Höhle – von der Idee zum Buch

Von Norman Liebold geschrieben am: 29.10.2011 unter Autorengefasel

Die Höhle - Hintergrundbild des Covers

In den letzten Jahren sind fast ausschließlich realistische Geschichten entstanden: Politische Krimis wie “Gläserner Sarg”(2008), “Dichterbrand”(2007/08) und “Krimifrass”(2008); Künstlernovellen wie “Beorn”(2010) und “Euthanatus”(2010), die Dystopie “Navigator”(2009). Die letzten phantastischen Novellen waren die “Spaltenzungen”(2005) und “Der Kulturgeist”(2007), und der letzte phantastische Roman mit Horror-Elementen war der “Incubus” von 2003. Es dürfte nicht wenig verwundern, dass jetzt plötzlich ein ausgesprochen süffiger und expliziter Horrorroman aus meiner Feder gekommen ist, der sich auf dem Grad zwischen realistischer Psychologie und mystischem Abgleiten nach Anderwelt bewegt. Vielleicht ist die Antwort darauf, dass “Die Höhle” gar nicht so phantastisch ist, wie sie erscheinen mag. Die Idee zu einem solchen Buch ist nicht neu, ich trage sie schon seit geraumer Zeit mit mir herum, sah mich aber noch nicht gereift genug, um sie adäquat umsetzen zu können. Das, was die Höhle bewegt, war letzthin Motivation zu meinen Studien in der Psychologie an der Uni Bonn ebenso wie für meine Ausflüge in “Magie” und Schamanismus und durchdringt meine ganze Lebenswirklichkeit. Es taucht in vielen Geschichten und Romanen auf, besonders, natürlich, in den eindeutig phantastischen wie den “Spaltenzungen”. Aber ich konnte dem nicht gerecht werden, wenn ich in die definiert phantastische Richtung ging, denn das, um was es mir geht, ist beständig da, um uns, in uns und geschieht nicht in irgendeinem Fantasy-Setting. Der Hyperrealismus der Krimis ist genauso Teil dieser Welt wie das völlige Abgleiten in Anderwelt, wie es in den “Spaltenzungen” geschieht. Aber es geschieht gleichzeitig, nur die Schwerpunkte liegen je anders. Spalte und Tore nach Anderwelt klaffen in U-Bahnschächten genauso wie in einer indianischen Schwitzhütte beim Eifelindianer Herbie. Beim Halten einer Lesung in einem Schickimicki-Laden nicht weniger als beim Vollmond-Bad in Maria Laach. Auch bei der “Höhle” ist mir die Gradwanderung noch nicht in der Weise gelungen, wie ich es angestrebt habe. Das bleibt dem Genre gestundet, dass gerade die beängstigenden, angsteinflößenden Aspekte in den Vordergrund treten und in der Klimax eine Eindeutigkeit annehmen, die schon fast zu eindeutig sind. Auch wenn ich denke, bei der Gradwanderung nicht abgestürzt zu sein.

Die Idee

Das Manuscript der Höhle auf dem Schreibsekretär, Foto: Norman Liebold 2011.
Das Manuscript der Höhle. Foto: Norman Liebold 2011

 Der Auslöser, die “Höhle” zu schaffen, war wie so oft ein starkes Erlebnis, dass eine bestimmte Thematik plötzlich wieder ins Zentrum der Aufmerksamkeit rückt und dafür sensibilisiert. Ich war zur Dämmerstunde im Herbst letzten Jahres mit *** an den Höhlen, um ihr diesen wie ich finde sehr besonderen Ort zu zeigen. Es war ein besonderer Tag mit ausgesprochen starken Bewegungen in den tieferen Ebenen, und, wie ich es gerne ausdrücke, der Berg hatte schlechte Stimmung. Als gedankliches Modell sei an eine Personifizierung gedacht. Eben, als wohnte ihn den Höhlen der Ofenkaulen tatsächlich ein Wesen mit einer Form von Bewußtsein. Hat dieses Wesen schlechte Stimmung und möchte allein sein, sorgt es mit Gefühlen und unangenehmen Bildern und Assoziationen dafür, dass etwaige Besucher schnell das Weite suchen. Dazu gehören auch real festzumachende Phänomene wie Windstöße, seltsame Zufälle und verstörende Begegnungen mit Bewohnern des Waldes. In Bäumen und Felsen scheinen sich die Schatten zu Formen zu verdichten, die Angst machen. Massive Ansammlungen abstoßender Insekten, ein wilder Hund, der einen Weg zähnefletschend und geifernd versperrt und herabstoßende Krähen gehören ebenfalls dazu. Alles ringsum schreit: “Verschwinde! Geh nicht weiter! Verpiß Dich!” Man kann sich daran gewöhnen, damit umgehen lernen, in gewisser Weise sogar in Dialog damit treten, versöhnen, Einlass erbitten. Das gehört zum schamanischen Weltbild, das diese Phänomene mit Naturgeistern erklärt, ein wie finde recht praktisches Modell, mit dem man gut arbeiten kann.

An jenem Nachmittag war ich allerdings nicht mit anderen “Schamanen” vor Ort, sondern mit einem Menschen, der zwar äußerst sensibel und feinsinnig wahrnimmt, jedoch den Phänomenen bisher weiträumig auswich und keine Erfahrungen im Umgang damit gesammelt hat. Wie ich eine Zeitlang erwog, unter Umständen die Symptome einer schizophrenen Erkrankung zu erleben statt äußere Realität und darum Psychologie studierte, so neigte dieser Mensch dazu, es innerpsychisch zu erklären und lieber zu glauben, nicht richtig zu ticken als anzunehmen, dass seine Wahrnehmung feiner ist. Das Erlebnis war erschreckend. Während ich eher Faszination und eine mit Respekt untermischte Neugier empfinde und gewissermaßen die aufkommenden Ängste als Wegweiser der Verhaltens nutze und die seltsamen Begebnisse als Hinweise und Zeichen, reagierte meine Begleiterin mit unreflektierter Heftigkeit und ohne jeden geistigen Schutz. In der Vergangenheit, als ich die “Phänomene” fast schon mit wissenschaftlichen Methoden untersuchte und gezielt “Probanten” zu bestimmten Zeiten an bestimmte Orte führte, um deren Reaktionen zu beobachten, hatte ich nach einigen ausgesprochen heftigen Zwischenfällen eigentlich den Entschluß gefaßt, keine Unvorbereiteten mehr in so eine Situation zu bringen. Jetzt, zehn Jahre später, wurde mir wieder schmerzlich vor Augen geführt, was mich zu diesem Entschluss gebracht hatte. *** hatte nicht nur einfach nackhaaraufstellende Angst, sie erlebte ungebremste Visionen, erbrach sich, war zeitweise völlig unzurechnungsfähig. Und das parallel zu den Dingen, die ich empfing, aber anders aufnahm. Wo der Berg ein klares Verbot aussprach, einen Ort zu betreten, durchfuhr mich eine Welle von unangenehmer Furcht, gepaart mit einem Bild. Aber es war wie etwas, das gesagt wird. Für *** manifestierte sich das Bild und die Furcht war real und in einer Stärke, wie man sie in unserem normalisierten Leben kaum noch erlebt. Es kostete mich grosse Anstrengung, gewissermaßen ein Schild aufzubauen, um sie dort heraus zu bekommen.

Das Erlebnis brachte für mich wieder Dinge ins Bewußtsein, die für mich selbstverständlich geworden waren. Und die Beschäftigung damit schuf letzthin die Grundidee zur “Höhle”. Daß ich sie tatsächlich an dem Ort ansiedelte, wo das reale, zugrunde liegende Erlebnis stattgefunden hat, versteht sich von selbst. Allerdings hat die Geschichte der “Höhle” nur noch in Aspekten etwas mit den realen Begebnissen zu tun – es sind letztlich Jahrzehnte in diese Geschichte mit eingeflossen und die Erfahrungen und Gespräche mit sehr vielen, unterschiedlichsten Menschen.

Manuel und Silvia – das Liebespaar

Norman Liebold: Illustration zu 'Die Höhle', Tusche auf Papier, 29,7 x 42cm

Wannimmer eine explizite erotische Szene in einem Buch oder einer Geschichte vorkommt, hagelt es kurz darauf Fragen, ob das “wirklich” sei und ob die beschriebenen Personen ich selbst und meine Partnerin vorstellen. Ich bin immer wieder fasziniert davon und frage mich, was zu solchen Gedanken führt. Und ich kann darauf nur dieselbe Antwort geben, die ich auch dann gebe, wenn es um andere Personen in meinen Stories geht. Ich schreibe sehr nah an meinem Erleben und meiner Wirklichkeit, und das bedeutet natürlich, dass die Dinge, die ich beschreibe, in meinem Erleben verwurzelt sind. Es wäre nicht falsch zu sagen, daß ich nichts beschreibe, was ich nicht in der einen oder anderen Weise selbst erlebt habe oder aus erster Hand erfuhr. Aber das ist nicht gleichbedeutend damit, daß auch nur eine Figur ein realistisches Abbild einer real exiestierenden Person darstellt. Mehr noch: Genau das vermeide ich bewusst. Natürlich ist Bauer Rowedder aus dem “Gläsernen Sarg” einem manisch-depressiven Freund nachempfunden, was bestimmte Aspekte des Verhaltens und Erlebens angeht. Lange Gespräche und eigene Beobachtungen sind hier eingeflossen. Aber Rowedder selbst ist genauso wie seine Geschichte erfunden, auch wenn diverse Szenen real geschehenen Dingen angelehnt sind. So ist durchaus klar, das Silvias Erscheinung und Charakter irgendwo reale Echos in Partnerinnen von mir haben dürfte, und wahrscheinlich auch, das Aspekte der beschriebenen Beziehung aus verschiedenen selbst erfahrenen Erlebnissen heraus gestaltet sind. Aber es ist immer eine Montage aus verschiedensten Zeiten und Erlebnissen, was am Ende zu einer Person destilliert wird, und ein Grossteil davon ist erfunden, abgeleitet und entwickelt schnell auch eine nicht zu unterschätzende Eigendynamik. Und ob ich bei Vollmond auf der Betonplatte vor dem Höhleneingang Sex gehabt habe überlasse ich der Phantasie des Lesers, beziehungsweise empfehle, es selbst auszuprobieren, denn aus Erfahrung kann ich sagen, dass es kaum etwas schöneres gibt als Sex bei Vollmond am Busen der Natur.

Ähnlich verhält es sich mit Manuel. Da seine Innenwelt geschildert wird, ist es unumgänglich, dass er gewisse Parallelen zu mir hat. man kann nur so denken und fühlen wie man denkt und fühlt, und was immer verschiedene Autoren auch sagen mögen, es läßt sich nicht verhindern, dass die eigene Art und Weise, die Wirklichkeit aufzufassen, bei einer Schilderung der Innenwelt einer Person maßgeblich mit ein fließt. Alles andere ist und bleibt notwendigerweise intellektuelles Konstrukt ohne Anspruch auf Wirklichkeit. Effektiv ist das Liebespaar Manuel-Silvia aber ein Konstrukt, um die Geschichte möglich zu machen und gehorcht der inneren Dynamik des Romans. Sie sind einander ein Spiegel, wie es in vielen Beziehungen der Fall ist, und insbesondere Manuel sieht in Silvia die Dinge gespiegelt, die er mehr oder weniger bewusst als seine eigenen menschlichen Schwächen spürt. Dies ist Teil der psychologischen Ebene des Buches und eines der Hauptmovens der Geschichte.

Spiegel im Spiegel – die Struktur

Norman Liebold: Illustration zu 'Die Höhle', Tusche auf Papier, 29,7 x 42cm

“Die Höhle” besteht aus drei Ebenen, die sich untereinander spiegeln und eng miteinander verwoben sind. Die zwischenmenschliche Beziehung von Manuel und Silvia, Manuels Beziehung zu seinem eigenen Inneren und die Berührung der Menschen mit dem “Geist” im Berg. Jede einzelne dieser Ebene spiegelt sich in den anderen wieder und ist zugleich Allegorie für sie. Dei Entwicklung der Geschichte und der Personen vollzieht sich in allen drei Ebenen und changiert zwischen ihnen. Daraus ergibt sich die Struktur der Erzählung, die sich in drei grossen Abschnitten vollzieht, die sich zugleich auch in den Handlungsorten Steinbruch, Wald vor den Höhlen und das Höhleninnere manifestiert. Zugleich sind diese Orte auch Stationen auf dem Weg ins Innerpsychische. Der Roman vollzieht den Gang vom Äußeren in den dunklen Urgrund der Seele, und das zunehmend tiefenpsychologische ist durch die zunehmende Phantastik in der Erzählung symbolisiert. Je nachdem, wie man “Die Höhle” interpretieren möchte, hat man entweder eine Geschichte vor sich, die sich mit der Magie in unserer Welt auseinandersetzt oder einen tiefenpsychologischen Roman über die Ängste und Neurosen des heutigen Menschen. Beide Interpretationsweisen sind “richtig”, wenn hier soetwas wie “richtig” oder “falsch” überhaupt anzulegen ist. Das äußere Kleid, das letztlich das Lesevergnügen schafft, ist das eines klassischen Schauerromans mit allen Elementen, bei denen sich der Leser hoffentlich ordentlich einer Gänsehaut erfreuen kann.


Entstehnungsdaten

Druck von "Die Höhle" am 26.10.2011 bei Meierdruck in Hennef. Foto: Norman Liebold 2011.

Die Höhle ist vollständig im Manuscript entstanden, ich arbeitete am Text vom 16.02. bis zum 01.06.2011 und füllte drei Moleskine-Notizbücher mit dem Manuscript. In der ersten Juniwoche übertrug ich es in den Rechner und begann gemeinsam mit Alexander Lebedev die Illustration. Die letzte Illustration ist Ende Juli entstanden. In den Wochen danach lektorierten Freunde das Buch und ich schliff den Text, nachdem ich die Lektorenexemplare zurück erhielt, den Text noch einmal. Fertig war der Roman Ende August. Die Satzarbeiten und die Gestaltung bis zum fertigen, ausbelichtbaren Buch dauerten bis Anfang Oktober. Am 14. ging das Buchinnere in die Druckerei, die Gestaltung des Covers war am 20. Oktober abgeschlossen. Das Buch wurde am 26.10.2011 bei Meierdruck Hennef auf einer Heidelberg Offset-Letterset 64x89cm Zylindermaschine, Baujahr 1963, gedruckt, die nicht nur wunderschön ist, sondern auch ganz hervorragende Drucke liefert. Für die Interessierten hier eine kleine Galerie, wie das Buch gedruckt wurde:

Druck von "Die Höhle" am 26.10.2011 bei Meierdruck in Hennef. Foto: Norman Liebold 2011.
Druck von "Die Höhle" am 26.10.2011 bei Meierdruck in Hennef. Foto: Norman Liebold 2011.
Druck von "Die Höhle" am 26.10.2011 bei Meierdruck in Hennef. Foto: Norman Liebold 2011.
Druck von "Die Höhle" am 26.10.2011 bei Meierdruck in Hennef. Foto: Norman Liebold 2011.
Druck von "Die Höhle" am 26.10.2011 bei Meierdruck in Hennef. Foto: Norman Liebold 2011.
Druck von "Die Höhle" am 26.10.2011 bei Meierdruck in Hennef. Norman Liebold überprüft die Qualität des Drucks - und ist begeistert. Foto: Christa Hundenborn.
Druck von "Die Höhle" am 26.10.2011 bei Meierdruck in Hennef. Foto: Norman Liebold 2011.
Druck von "Die Höhle" am 26.10.2011 bei Meierdruck in Hennef. Foto: Norman Liebold 2011.
Druck von "Die Höhle" am 26.10.2011 bei Meierdruck in Hennef. Foto: Norman Liebold 2011.
Druck von "Die Höhle" am 26.10.2011 bei Meierdruck in Hennef. Foto: Norman Liebold 2011.
Druck von "Die Höhle" am 26.10.2011 bei Meierdruck in Hennef. Foto: Norman Liebold 2011.
Druck von "Die Höhle" am 26.10.2011 bei Meierdruck in Hennef. Foto: Norman Liebold 2011.
Druck von "Die Höhle" am 26.10.2011 bei Meierdruck in Hennef. Foto: Norman Liebold 2011.
Druck von "Die Höhle" am 26.10.2011 bei Meierdruck in Hennef. Foto: Norman Liebold 2011.
Druck von "Die Höhle" am 26.10.2011 bei Meierdruck in Hennef. Foto: Norman Liebold 2011.
Druck von "Die Höhle" am 26.10.2011 bei Meierdruck in Hennef. Foto: Norman Liebold 2011.
Norman Liebold überprüft die Proofs für Dichterbrand, Gläserner Sarg und Die Höhle bei Meierdruck in Hennef. Photo: Anke Böser, 2011.
Norman Liebold überprüft die Proofs für Dichterbrand, Gläserner Sarg und Die Höhle bei Meierdruck in Hennef. Photo: Anke Böser, 2011.

 

 



[Norman Liebold, 29.10.2011
Autorengefasel
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Die Höhle – Illustration und Gestaltung

Von Norman Liebold geschrieben am: 29.10.2011 unter Autorengefasel

Alexander Lebedev: Illustration zu Norman Liebolds 'Die Höhle', Grafit auf Papier, 29,7 x 42cm

Die Illustration der Höhle ist ein Gemeinschaftsprojekt von mir selbst und dem Illustrator Alexander Lebedev. Der junge russische Künstler und Freund zeichnete sieben Bilder in Grafit auf Papier im Format Din A3. Sie stellen je eine herausragende Szene aus einem der sechs Kapitel dar. Aus meiner Feder stammen sechs Zeichnungen in Tusche, die jeweils die Anfangsseite des Kapitels ornamental verzieren, einige Gestaltungselemente wie Spinnen und Käfer sowie vier Landschaftszeichnungen, die ich an den Ofenkaulen anfertigte. Aus dem Rahmen heraus fällt eine Skizze, die während des Schreibens entstanden ist und die Anfangsszene darstellt.

Es ist mir immer wieder eine Freude, bei einem Buchprojekt gemeinsam mit einem weiteren Künstler die Illustration zu besorgen – so entspinnt sich noch ein zweites Gespräch im Buch. Nicht nur der Dialog zwischen Leser und Autor, sondern auch das Gespräch zwischen den Illustratoren, in das der Leser mit einbezogen ist. Ist es für die Leser immer wieder interessant, die Bilder zu sehen, die der Autor des Buches selbst zeichnete, um auf diese Weise auch einen Blick in die gedankliche Bilderwelt zu bekommen, so ist es für mich selbst nicht minder faszinierend, einmal in den Kopf eines meiner Leser schauen zu dürfen, wie er die Szenen und Figuren aus dem Buch wahrnimmt.


Die Zeichnungen Alexander Lebedevs

Alexander Lebedev ist ein junger Künstler aus Russland, der aktuell an der Rhein-Sieg-Akademie für Design und Bildende Kunst in Hennef studiert. Seit einigen Jahren mit ihm befreundet, machte ich auch schon mehrere Ausstellungen mit ihm gemeinsam. “Die Höhle” ist sein erstes Illustrationsprojekt, dass er in 29,7 x 42cm großen Bleistiftzeichnungen ausführte. Er veröffentlicht unter dem Künstlernamen “Eleven”. Besuchen Sie die Webseite von Alexander Lebedev unter www.i11u.com.

Alexander Lebedev: Illustration zu Norman Liebolds 'Die Höhle', Grafit auf Papier, 29,7 x 42cm
Alexander Lebedev: Illustration zu Norman Liebolds 'Die Höhle', Grafit auf Papier, 29,7 x 42cm
Alexander Lebedev: Illustration zu Norman Liebolds 'Die Höhle', Grafit auf Papier, 29,7 x 42cm
Alexander Lebedev: Illustration zu Norman Liebolds 'Die Höhle', Grafit auf Papier, 29,7 x 42cm
Alexander Lebedev: Illustration zu Norman Liebolds 'Die Höhle', Grafit auf Papier, 29,7 x 42cm
Alexander Lebedev: Illustration zu Norman Liebolds 'Die Höhle', Grafit auf Papier, 29,7 x 42cm
Alexander Lebedev: Illustration zu Norman Liebolds 'Die Höhle', Grafit auf Papier, 29,7 x 42cm


Die Kapitel-Ornamente von Norman Liebold

Auch wenn ich sehr gerne selbst Szenen aus den Büchern zeichne und als Illustrationen mit hinein drucke, halte ich mich zurück, wenn ich mit einem anderen Künstler gemeinsam an einem Buchprojekt arbeite. Bei der “Höhle” hielt ich mich aus den eigentlichen Szenendarstellungen ganz heraus und schuf sechs ornamentale Zeichnungen, die die erste Seite der Kapitel schmücken. Sie sind in meinem Lieblingsstil gezeichnet: als reine Schwarzweiß-Grafiken mit stark abstrahierter Ornamentik.

Norman Liebold: Illustration zu 'Die Höhle', Tusche auf Papier, 29,7 x 42cm
Norman Liebold: Illustration zu 'Die Höhle', Tusche auf Papier, 29,7 x 42cm
Norman Liebold: Illustration zu 'Die Höhle', Tusche auf Papier, 29,7 x 42cm
Norman Liebold: Illustration zu 'Die Höhle', Tusche auf Papier, 29,7 x 42cm
Norman Liebold: Illustration zu 'Die Höhle', Tusche auf Papier, 29,7 x 42cm
Norman Liebold: Illustration zu 'Die Höhle', Tusche auf Papier, 29,7 x 42cm
Käferornament für die 2. Titelseite. Tusche auf Papier. Norman Liebold 2011.
Schwarze Witwe. Zeichnung für das Vorsatzblatt. Tusche auf Papier, Norman Liebold 2011


Die Landschaftszeichnungen von Norman Liebold

Ofenkaulen am Petersberg. Tusche auf Papier, Norman Liebold 2011.
Ofenkaulen am Petersberg. Tusche auf Papier, Norman Liebold 2011.
Ofenkaulen am Petersberg. Tusche auf Papier, Norman Liebold 2011.
Ofenkaulen am Petersberg. Tusche auf Papier, Norman Liebold 2011.

Während der Recherchen zur “Höhle” zeichnete ich etliche Skizzen an den Originalschauplätzen, besonders an den Ofenkaulen selbst. An den Stellen, wo am Ende eines Kapitels genügend Freiraum blieb, setzte ich sie erstmals mit ins Buch. Auf diese Weise bekommt der Leser einen Eindruck, wie es am Ort selbst aussieht.

Cover-Gestaltung

Die Höhle - Hintergrundbild des Covers
Die Höhle - Cover hinten
Die Höhle - Cover vorn
Die Höhle - Cover

Das Cover für die “Höhle” stellte eine echte Herausforderung dar, und bis wenige Tage vor dem Druck gab es mehrere Versionen, zwischen denen zu entscheiden nicht einfach war. Neben einem Cover aus dem Pinsel von Alexander Lebedev gab es eines, das als rein Strichgrafik mit Silber auf Schwarz gedruckt worden wäre. Erst beim Vorgespräch bei Meierdruck Hennef mit Frau Hundenborn, die auch schon das erste Amator-Veritas-Buch, den Märenborn, betreute, viel die Entscheidung, auch bei diesem Buch wie bei “Dichterbrand” und “Gläserner Sarg” ein Vierfarbcover mit einem fotografisch anmutenden Hintergrund zu wählen, damit die Linie der Siebengebirgs-Bücher gewahrt bleibt. Während das aber verhältnismäßig einfach ist bei den realistischen Krimis, erweist es sich für einen in weiten Teilen phantastischen Horror-Roman als eine schwierige Angelegenheit. Die Idee, das von mir sehr geliebte Relief vom Paradies der Basilika zu Maria Laach zu nehmen, stand sehr schnell. Zum einen, weil die beiden Gesichter die tiefenpsychologische Ebene genauso illustriert wie sie auch eine Szene aus dem Roman versinnbildlicht, nämlich den Spiegelgang mit dem “bösen Spiegelbild” des Protagonisten und den sich aus den Wänden pressenden Steingesichtern. Aber dem Motiv fehlte noch der rechte “Pfiff”. Nach Stunden des Probierens und des fast Verzweifelns, denn um 9 Uhr mußte ich die Dateien zum Belichter bringen, hatte ich gegen 4 Uhr eine Art Vision. Oder wie man das nennt, wenn man halb träumend vor dem Bildschirm sitzt. Es schienen sich Risse durch die Gesichter zu ziehen, und sie bewegten sich in schwer zu beschreibender Weise. Dieses Bild erschien sofort als das perfekte Cover, und der Rest war zwar anstrengend, aber ein schnelles Arbeiten. Letztlich entstand eine Fotomontage aus einer Aufnahme des Reliefs und – das ist interessant zu erwähnen – der Aufnahme einer ausgetrockneten Wasserlache, die ich im Steinbruch Hühnerberg im Siebengebirge gemacht hatte. Auf diese Weise kommt in das Cover auch ein Teil des Siebengebirges mit hinein und schönerweise eines, das technisch gesehen tief in einem Berg liegt.



[Norman Liebold, 29.10.2011
Autorengefasel
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Die Höhle – Orte

Von Norman Liebold geschrieben am: 26.10.2011 unter Autorengefasel

“Die Höhle” spielt im Siebengebirge an drei Schauplätzen. Die ersten beiden – ein stillgelegter, mit Wasser gefüllter Steinbruch und das Waldgebiet an den Ofenkaulen bei Königswinter – sind naturgetreu. Beim dritten Schauplatz, das Innere des Höhlensystems der Ofenkaulen, habe ich mir eine gewisse Freiheit erlaubt. Die Orte spiegeln die Klimax des Romans wieder: Vom hellen, sonnendurchfluteten Bergsee kommen die Protagonisten Silvia und Manuel zu den gleichsam verwunschenen Wäldern mit den Höhleneingängen, um von hier aus in das Höhlensystem vorzudringen. Die Tageszeit wechselt mit den Orten: Spätnachmittäglich badet das Liebespaar im See, in der Dämmerung kämpfen sie im Wald mit ihren aufkommenden Ängsten, in der Nacht irren sie durch die Stollen und Hallen der Ofenkaulen. Mit dem zunehmenden Dunkel dringt das Unnennbare, Mystische in ihr Leben ein. In Andeutungen am See, in Visionen im Wald und in unignorierbarer Wirklichkeit in den Höhlen. Der Gang vom Sonnenlicht in die ewige Nacht unter dem Berg ist archetypisch und spiegelt zugleich die psychologische Ebene der Geschichte allegorisch wieder: was auf der Handlungsebene die Verdichtung der Atmosphäre und das zunehmende Eindringen des Horrors ist, ist auf der psychologischen das Eindringen in das Unterbewusste.

Der Steinbruch

Steinbruch Eudenberg. Foto: Norman Liebold 2009.
Steinbruch Eudenberg, Foto: Norman Liebold 2009
Steinbruch Eudenberg. Foto: Norman Liebold, 2006

Für die Eingangsszene wählte ich meinen Lieblings-Steinbruch. Er ist nicht unbedingt der schönste im Siebengebirge – der Dornheckensee ist bei weitem eindrucksvoller, der Märchensee mystischer -, aber in unmittelbarer Nähe zu meiner Schreibklause hinter den Sieben Bergen gelegen schenkte er mir unzählige schöne Stunden. Der Sprung von der Felsklippe geht gut vier Meter in die Tiefe, und beim Hinaufklettern ist mir – wie auch Manuel im Buch – schon eine tonnenschwere Basaltsäule aus der Wand gekippt. Wenn man – besonders im Sommer – auf dem Steg sitzt, kann man de beschriebenen Fisch-Ebenen beobachten. Während ganz oben die kleinen, kaum fingerlangen Fische in wahren Horden herumtummeln, schwimmen in gleichsam abgetrennten Schichten immer grössere Tiere – je tiefer, um so eindrucksvoller, bis dort, wo man nur noch Schemen sehen kann (und der Steinbruch in sehr klar), riesige Karpfen ihre Kreise ziehen. Der Vergleich mit den Schichten des Bewußtseins kam mir 2006, als ich an meiner Magisterarbeit über Gottfrieds von Strassburg “Tristan und Isolde” im Vergleich mit Georg Kaisers “König Hahnrei” arbeitete und in diesem Kontext Freuds “Traumdeutung” durcharbeitete. Die eigenartigen Strömungen kalten Wassers haben mich selbst und Freunde schon oft erschreckt, wobei jedoch die Erklärungen, die Manuel dafür anbringt, reine Spekulation sind – ich kann nicht sagen, ob sie von Quellen am Seegrund oder durch die heftigen Gegensätze von sonnenbeschienenen und in dunklem Schatten liegenden Seeteilen herrühren. Das Gefühl jedoch ist bei den ersten Malen in der Tat unheimlich, denn die Strömungen sind so eng umrissen und kompakt, dass es sich anfühlt, als ob etwas sehr Großes in unmittelbarer Nähe vorbeischwimmt.

Den See kenne und liebe ich seit mehr als 10 Jahren, und natürlich war ich nicht nur mit meinen Liebsten dort, sondern kann auch nicht leugnen, dass ich mich dort auch schon gestritten habe. Wahrscheinlich ist die eine oder andere Erfahrung aus diesem Erleben in die Beschreibung des Streites zwischen Manuel und Silvia mit in den Roman eingeflossen. Aber die Szene selbst ist frei erfunden. Ich habe zwar schon Wegarten auf der Basalt-Klippe wachsen sehen, bin aber nie mit einer über den See geschwommen, um meine Liebste zu versöhnen. Und ich möchte doch hoffen, dass ich nicht so verbohrt und egozentrisch wie Manuel bin. Abgesehen von dem etwas mulmigen Gefühl, über einen schier bodenlosen Abgrund zu schwimmen und von kalten Strömungen wie mit riesiger Flosse berührt zu werden, kann ich auch nicht von mir behaupten, tatsächlich Angst vor Wassermonstern verspürt zu haben. Wobei die Erfahrung mir allerdings nicht fremd ist – wenn ich sie auch 1997 beim Schwimmen im Mittelmeer unterhalb einer alten Kultstätte in heftigster Weise erleben musste.

Die Wälder an den Ofenkaulen

Die Ofenkaulen in Königswinter. Foto: Norman Liebold 2011.
Die Ofenkaulen in Königswinter. Foto: Norman Liebold 2011.
Die Ofenkaulen in Königswinter. Foto: Norman Liebold 2011.
Die Ofenkaulen in Königswinter. Foto: Norman Liebold 2011.
Die Ofenkaulen in Königswinter. Foto: Norman Liebold 2011.
Die Ofenkaulen in Königswinter. Foto: Norman Liebold 2011.
Die Ofenkaulen in Königswinter. Foto: Norman Liebold 2011.
Die Ofenkaulen in Königswinter. Foto: Norman Liebold 2011.

Der Wald, der gegenüber dem Petersberg gelegen ist, hat ein eigenartiges Gefühl, besonders in der Dämmerung. Die Bedingungen des felsigen Untergrundes, die steilen Hänge und das Alter des Baumbestandes bedingen, dass ein grosser Teil der Bäume stark verwachsen und knorrig sind. Oft liegen die Wurzeln über einem Abhang frei und strecken sich wie Arme und Klauen über die engen Pfade. Und an vielen Stellen öffnet sich gähnendes Loch im Hang oder im Boden, um einen der Eingänge zu den Höhlen zu zeigen. Die Höhlen sind künstlich: im Mittelalter braute man hier – daher der Name – Trachyttuff ab, der für Öfen verwendet wurde. Im dritten Reich wurden die unterirdischen Hallen ausgebaut und für eine “bombensichere” Flugzeugfabrik genutzt. Nach erfolglosem Sprengungsversuch wurden die Eingänge mit Beton verschlossen, in dem Schlitze angebracht sind, damit zum einen die Luftzirkulation gegeben ist und zum anderen die Fledermäuse ein- und ausfliegen können – die Ofenkaulen ist eine der wichtigsten und größten Fledermaushöhlen Europas. Die Feuchtigkeit und die Temperaturunterschiede haben Algen und Moos über den Beton wachsen lassen, und aus den Lüftungsschlitzen weht ein stetiger, eiskalter Wind, oft untermalt von einem eindrucksvollen Heulen. Geht man einen der engen Hohlwege auf eine Öffnung zu, ist dieser Luftstrom deutlich spürbar. Diese Landschaft – knorrige, alte Bäume, Hohlwege und sich öffnende Höhlen – genügt schon, um in der Dämmerung und Nachts ein recht mulmiges Gefühl zu erzeugen, eine Art “romantischen Schauer”, wenn man so möchte. Ist man sich bewußt, dass in den Höhlen Zwangsarbeiter unter den denkbar schlimmsten Bedingungen Flugzeugmotoren herstellten und Vorfälle wie der mit dem Mörder Dieter Freese hier geschehen sind, verstärkt sich das Gefühl. Wobei ich nicht umhinkomme, zumindest zu erwähnen, dass man noch mehr dort fühlen kann. Es ist ein eigenartiger Ort, der bestimmte Bereiche unserer Seele und unserer Ängste anspricht. Und zugleich ist er von einer seltsamen Schönheit.

Die Ofenkaulen

Ofenkaulen am Petersberg. Tusche auf Papier, Norman Liebold 2011.
Ofenkaulen am Petersberg. Tusche auf Papier, Norman Liebold 2011.
Ofenkaulen am Petersberg. Tusche auf Papier, Norman Liebold 2011.
Ofenkaulen am Petersberg. Tusche auf Papier, Norman Liebold 2011.

Die beschriebenen Eingänge führen in das Höhlensystem unter dem Berg. Dieses ist seit Jahren nur noch unter entsprechender Führung zu betreten. In meiner Abiturzeit – um 1996/1997 herum – waren sie allerdings ein Geheimtipp für Mutige. Die Lüftungsschlitze waren soweit aufgemeiselt worden, dass man mit einiger Mühe hindurchkriechen konnte. Ist bereits der Wald vor den Eingängen bemerkenswert und mystisch, so sind die Höhlen selbst unbeschreiblich. Wir nannten die Höhlen “Moria”, und in der Tat drängt sich der Vergleich auf. Riesige Hallen, Löcher im Boden, die den Blick auf die darunter liegenden Ebenen öffnen, lange Gänge, unterirdische Seen. Das ganze im seltsamen Zwiespalt zwischen natürlichem Fels und den Resten der industriellen Nutzung: Beton, verrostete Eisenträger und -schienen, eigenartig verwinkelte Treppen. Ich bin mehr als einmal mit Freunden durch diese Hallen gewandert, wir haben dort genächtigt und uns die “Sehenswürdigkeiten” angeschaut. So gibt es einen Raum, der über und über mit Reliefen bedeckt ist. Unbekannte aus verschiedenen Zeitaltern haben hier Götterbilder, Symbole und Szenen aus dem weichen Tuffstein heraus gemeiselt. Auch der “schwebende Stein” aus dem letzten Kapitel gehörte zu unseren Lieblingsorten. Auf der obersten Ebene gelegen hatte der Raum einen Durchbruch an die Oberfläche, durch die ein schwacher Lichtstrahl kam. Er fiel genau auf einen grossen Felsen, der dadurch als das einzige in der unterirdischen Halle beleuchtet war. Der Eindruck, der entstand, war, dass er aus sich selbst heraus leuchtete und in der Luft schwebte. Besonders eindrucksvoll ist die Gestalt der Hallen. Ab dem Hochmittelalter hat hier riesige Platten aus dem Fels geschnitten. So bestehen viele der Wände aus geraden Flächen, die in schiefen Winkeln zueinander stehen. Eine Sinnhaftigkeit scheint dahinter zu stecken, eine eigenartige Architektur, die uns unverständlich ist, und ihre Ausmasse sind gigantisch. Einige der Hallen sind 12 Meter und höher.

Die Beschreibungen des Inneren der Höhlen sind meiner Erinnerung entnommen. Die Lüftungsschlitze, durch die wir damals krochen, sind heute mit Stahlplatten eingefaßt und so schmal, dass ein Hindurchkriechen unmöglich ist. In den Höhlen, in denen unter anderem auch einige schräge Partys gefeiert wurden, gab es einige Unglücksfälle. Auch sollen die Fledermäuse ungestört bleiben. Und da der Roman in den Höhlen bereits in den phantastischen Bereich vorgedrungen ist, habe ich mir eine gewisse Freiheit erlaubt. Das gilt insbesondere für die Tür, die ich erfunden habe. Es gibt noch Zugänge, die sehr versteckt und nur einigen “Eingeweihten” bekannt sind, die dieses Wissen für sich behalten, damit sie nicht auch noch verschlossen werden. Und es wäre durchaus denkbar, dass die Flugzeugfabrik zusammen mit den Bunkeranlagen auch einige getarnte Zugänge gehabt hat. Die Geheimtür dürfte allerdings weniger der Wirklichkeit entlehnt sein als sie eine literarische Anspielung auf die Tür zu Smaugs Höhle im Einsamen Berg darstellt.

Einige Bilder aus dem Inneren der Ofenkaulen finden Sie auf diesen Webseiten:

 



[Norman Liebold, 26.10.2011
Autorengefasel
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Auszeit-Report: Auszeit-Aus

Von Norman Liebold geschrieben am: 25.10.2011 unter Autorengefasel, Büchermeldungen, Nähkästchen

Norman Liebold überprüft die Proofs für Dichterbrand, Gläserner Sarg und Die Höhle bei Meierdruck in Hennef. Photo: Anke Böser, 2011.

In einem Monat durchbreche ich eine Art Schallmauer, was das Altern und das sich Entwickeln angeht: die 35. Vielleicht war und ist das einer der vielen Gründe für das, was ich an dieser Stelle immer wieder als “Auszeit” betitelte.  Natürlich war dies nicht in dem Sinne eine “Auszeit”, dass ich faul herumlag und mich von irgendetwas erholte. Es war vielmehr eine rigorose Ausmistungsaktion, in deren Verlauf ich mich weitestgehend zurück zog. Und die jetzt abgeschlossen ist. Heute Morgen um 10 Uhr sind in meiner erklärten Lieblingsdruckerei Meierdruck in Hennef die Maschinen angelaufen, um bis zur Schallmauer drei Bücher zu drucken. Die zweite Auflage von Dichterbrand und Gläserner Sarg  und die Neuerscheinung “Die Höhle”, über deren Entstehen ich an dieser Stelle berichtete. Während der Auszeit sind sowohl für die “Höhle” wie auch für den “Dichterbrand” eine Reihe neuer Illustrationen aus meiner Feder entstanden – und die Illustratoren Katharina Theine und Alexander Lebedev haben ebenfalls eine ganze Reihe wunderbarer Bilder für diese beiden Bücher geschaffen. Und in meinem Manuscript-Buch beginnt der neue Künstler-Krimi “Der Stift” zu wachsen, der dieses Mal nicht im Siebengebirge, sondern im Burgenland an der Grenze zwischen Sachsen-Anhalt und Thüringen spielt, wo ich einige Jahre viel Zeit verbrachte und 2005/2006 lebte. In gewisser Weise ist auch dieser Roman eine Art Ausmistung, die hoffentlich auch an anderer Stelle zu Ausmistungen führen wird – politisch gesehen. Die letzten Wochen war ich entweder damit beschäftigt, an den 6000 Kilometern zu arbeiten, die ich mit einem eigenartigen Meilenhunger auf meinem treuen Rosinante herunter ritt, oder ich saß am Satz der Bücher. Dazwischen waren noch zwei wundervolle Reisen und die Vervollkommung meiner Arbeiten mit Silber und Edelsteinen, sowie, und das nicht zuletzt, die Einrichtung meines Winterdomizils im Fachwerkhäuschen mit knisterndem Ofen und Kätzchen und Bibliothek. Was impliziert, dass ich meine verschiedenen Wohnsitze auf zwei reduziert bzw. destilliert habe: Winters das gemütliche Fachwerk mit Ofen, sommers meine geliebte Wohnschnecke im Siebengebirge. Die letzte Fuhre Bücher-Kartons aus Leipzig haben endlich zusammen mit dem Restbesitz den Weg in meine Wahlheimat gefunden. Aber das sind nur die äußeren Anzeichen. Wichtiger ist, dass ich auch meine Betätigungsfelder auf diese Weise eingedampft und auf das Wesentliche gebracht habe. Wer sich über neue Bücher, über schöne Lesungen in seiner Nähe, Ausstellungen meiner Bilder und die Improvisationen auf Sax, Klarinette und Flöte freut, für den gibt es die gute Nachricht, dass es davon ab dem 20.11. mehr denn je geben wird. Und wesentlich … fetter. Sinn und Ziel der Ausmistung war es letzthin, die ganzen losen Enden aufzunehmen, zu Ende zu bringen und mich dann – bzw. jetzt – zu 100% dem zu widmen, um das es mir seit mehr als 20 Jahren geht: Die Geschichten. Ihre schöne Gestaltung zu einmaligen Büchern. Ihre Inszenierung auf der Bühne, um zu verzaubern und zu beschenken. Ich danke an dieser Stelle meinen lieben Freunden, die mich in dieser Zeit unterstützt, oft genug aus einem Loch herausgezogen und bestätigt haben.



[Norman Liebold, 25.10.2011
Autorengefasel, Büchermeldungen, Nähkästchen
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