Von Norman Liebold geschrieben am: 25.04.2010 unter Autorengefasel, Nähkästchen
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Die “Ansichten eines Aktmodells” begonnen, die Konstruktion steht und es wird wohl eine der interessantesten Geschichten werden, die ich je in Angriff genommen habe – sie enthält so ziemlich alles, was ich je an stilistischen und erzählerischen Mitteln anwandte, nur in einer Geschichte. Sie wird zugleich eine Sammlung von 12 Stories1 sein, die zwischen 8 und 25 Minuten Vortragszeit haben und komplett für sich stehen können, wie auch eine wunderbare, verträumte Novelle, die in ihrer Gesamtheit als ein Gewachsenes vor dem Leser steht. Ich denke, der “Damm” gegen den “Stift” ist gebaut, und der Rückstau der Konzentration funktioniert. Und daß er funktioniert, hat eine ganz eigene Erleichterung erzeugt, ein Schweben im Getragensein, und plötzlich ist alles da, nicht nur die magische Flöte, die sich nach 5 Jahren Dunkelheit entschlossen hat, mit Licht und sanften Tönen zu mir zurückzufinden. Mein “Arbeitsurlaub” hat wieder begonnen, jener selige Zustand, den ich eine Zeitlang verloren glaubte und der im Grunde der Zustand meines Lebens ist. Es gehört so wenig dazu, und doch so unendlich viel. Ein wunderbares Schachspiel mit gutem Freund mit noch mehr guten Freunden drumherum an einem so wunderbaren Ort wie der Gammersbacher Mühle, nachdem man – fast wieder kleine Junge (oder doch jagende Mannsbilder?) – gemeinsam hat Pfeile fliegen lassen, umschwärmt vom vor Lebenslust platzendem Nachwuchs, Fachgesimpel über Kunst, Literatur, Spiritualität und natürlich Bogenbau … danach Grillen bei Freunden, Spontanjamsession an Klarinette und Nâhtegal-Flöte. Ja, in der Tat, das Leben beschenkt!
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[Norman Liebold,
25.04.2010 |
Von Norman Liebold geschrieben am: 23.04.2010 unter Nähkästchen
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Ich hatte ein wenig Zeit und habe den Terminkalender für meine Auftritte neu programmiert. Er hat jetzt einige Features mehr, so eine Googlemaps-Implementierung, einen RSS-Feed und, nicht zuletzt, die Möglichkeit, sich für die Veranstaltungen anzumelden und online Tickets zu erwerben. Ich habe dafür eine Schnittstelle mit eventbrite.com eingerichtet, die die Termine auch auf Facebook veröffentlicht. Zudem ist die alte Tabellenansicht durch eine bessere Vorschau mit allen relevanten Daten ersetzt. Das wird Euch und natürlich auch mir einiges an Aufwand sparen und ist zudem auch noch netter anzuschauen – viel Spaß damit! |
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[Norman Liebold,
23.04.2010 |
Von Norman Liebold geschrieben am: 20.04.2010 unter Autorengefasel, Nähkästchen
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[Norman Liebold,
20.04.2010 |
Von Norman Liebold geschrieben am: 15.04.2010 unter Autorengefasel, Nähkästchen
![]() Norman Liebold beim letzten Satz. Typische Endszenenerschöpfung an den Augenringen kenntlich. Foto: Alex Der letzte Satz, das letzte Wort, der letzte Punkt im Manuskript ist gesetzt. Die erste Geschichte für “Ansichten eines Aktmodells” vollendet. Zwar muß ich mich jetzt den cyberesken Teil des “Cyberspielmanns” aktivieren, um den Text nunmehr vom Handgeschrieben, von den wunderschönen geschwungenen Linien sepiafarbener NoodlersInk in die ewiggleichen Krakel typographischer Vektoren zu transformieren. Achtundneunzig Manuskriptseiten, eine Weile werde ich wohl hinter den pulsierenden Plasmasträngen meines Bildschirms verbringen müssen, aber der unwägbare Teil des Schaffensprozesses, das Geschichtenspinnen, das trotz allem eben nicht ganz kontrollierbare Sprudeln oder auch Verstopfen der Erzählquellen ist abgeschlossen, und ich sehe der Premiere am Samstag mit viel Freude entgegen.
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[Norman Liebold,
15.04.2010 |
Von Norman Liebold geschrieben am: 14.04.2010 unter Autorengefasel, Nähkästchen
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Es ist immer wieder ein ganz und gar eigenartiges Gefühl, die letzte Szene einer Geschichte in Angriff zu nehmen. Man schleicht darum herum wie die Katze um den sprichwörtlichen heißen Brei, man wäscht Wäsche und macht den Abwasch, rasiert sich peinlich genau, duscht und wischt die Bude, liest das Buch, das man gerade am Wickel hat, zu Ende … prokrastiniert also in ganz klassischer Weise. Dabei ist es ganz unabhängig davon, ob im Grunde genommen jeder Augenblick des zu beschreibenden Geschehens festgelegt und “nur noch” zu formulieren ist. Ja, es ist sogar bei weitem weniger heißbreiig, wenn man die Klimax im Rausch und früher als erwartet erreicht. Immerhin hat sich der über den Winter gewachsener Berg in meiner Wäschekammer in einen wohlgefalteten Stapel Wohlgeruch verwandelt, und dem Finale ist so oder so nicht auszuweichen. Tatsächlich ist genau dies hier nichts als eine winzige Unterbrechung während des Finales des Finales: Beorn hat gerade, ganz unfreiwillig komischer Über-Mann, selbst zu Tode verletzt, dem Altgermanisten den augenscheinlich gebrochenen Arm wieder eingerenkt, um zum Auto zu humpel-kriechen, wo seine “Versicherung” im Handschuhfach auf ihre Bestimmung wartet, die Szene letzthin, die der Geschichte ihren (Arbeits-)titel gegeben hat. Sieben Seiten Manuskript, schätze ich, also, trägt man meiner epischen Veranlagung Rechnung, wahrscheinlich vierzehn. Währenddessen, heute Morgen bei Kaffee und Tagebuch am Tisch im Paradies, durfte ich das Geschenk erleben, wie eine Geschichte daher spaziert kam. Auf den Seiten des Tagebuchs, ganz unbedarft und heiter zwischen den Zeilen heraus lächelnd und mir mit Bestimmtheit den Füllfederhalter aus der Betrachtung nehmend, um sich kichernd selbst zu skizzieren. Das ist auf diese Weise schon lange nicht mehr geschehen, eine echte Nâhtegal-Geschichte, fast schon ein (NeuZeit-)Märchen. Ein sehr süßes Zwischenstück, das zudem wunderbar in die “Ansichten eines Aktmodells” paßt, wobei ich mir sogar schon ziemlich sicher bin, wo genau es hingehört – das Aktmodell wird es in der zweiten Story erzählen. So, das Teewasser kocht, und ich muß Beorn eine Knarre mit bezaubernder Hand von der Schläfe schlagen. |
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[Norman Liebold,
14.04.2010 |
Von Norman Liebold geschrieben am: 13.04.2010 unter Autorengefasel, Nähkästchen, ThesbisKarren
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ich stehe kurz davor, tatsächlich das erste alternative Ende zu schreiben, daß ich je für eine Geschichte ersonnen habe. Ein eigenartiges Gefühl, denn Konjunktive liegen dem Schützen im Grunde genommen fern. Tatsächlich lag hier die irgendwo in jeder Geschichte verborgene Grube, von deren Dasein man weiß, deren unergründliche Tiefe man mit Dei ex Machinae zu umschiffen sucht, und von der man auch nach Fertigstellung und Meisterung noch fürchtet, ein Leser könnte hinein fallen. In “Versichert” ist es eine besondere Grube, eine weniger als sonst versteckte, aber dafür um so glitschigere. Glitschig wegen des Anspruchs jeder gut erzählten Story, im gesteckten Rahmen folgerichtig zu sein, und hier im besonderen Maße, nicht in Schwülstigkeiten ausrutschend pathetisch genau da hinein zu schlittern. Es ist allerdings auch ein sehr heikles Thema, denn hier stoßen zwei gegensätzliche Triebkräfte derart massiv aufeinander, daß sie im Grunde nicht aufzulösen sind. Nicht zuletzt durch überaus erhellende Gespräche mit meinem Bühnenkollegen únd Freund Maxim ging mir eine seltsame Lampe im Kopf an. Zwei Tage Philosophieren hier zusammen zu fassen, zumal beflügelt von Musikimprovisationen und Bogenschießen, ist schwer möglich, aber jene Eloquenz in Gedanke und Wort, wie sie uns zuweilen ein guter Zuhörer zu schenken imstande ist, machte mir die Freiheit des Lesers plötzlich in bisher ungekannter Stärke bewußt. Ich darf meinen Beorn-Bären Blut spucken lassen und darf ihm auch die Möglichkeiten in den cerebralen Windungen des Geschichtenschlürfers offen lassen: So sicher, wie die bezaubernde Lisa ihm die Knarre von der Schläfe wegschlagen wird, so sehr darf ich die Möglichkeiten aufmachen, ob er einen Arzt mit einer Skulptur und der Hilfe seiner Freunde bezahlen kann oder ob er ganz der waidwunde Bär sich in seiner Höhle pflegen läßt, um mit den ersten Märzblüten aus eigener, bäriger Kraft sich vom Bett-Fell erhebt und ein klein wenig weniger extrem sich für die KSK entscheidet. Es fehlt noch eine rührende, dramatische Szene, und die Geschichte ist vollendet, und ich freue mich schon sehr auf das Publikum in den “Vier Raben” – nicht nur, weil die drei Vorbilder Beorns mir die Ehre geben werden, die frisch geschlüpfte Story anzuhören, sondern weil ich überaus gespannt bin, ob meine Extravaganzen, die ich mir beim Erzählen gestattet habe, gut ankommen. Und ja, ein wenig fürchte ich mich auch. Ein sehr prickelndes, angenehmes Fürchten. Es ist, trotz allen schönen, romantischen, hoffnungsvollen Szenen, eine noch recht düstere Geschichte. Aber das ist Programm und wird sich im Laufe der “Ansichten eines Aktmodells” mehr und mehr in lichtere Gefilde emporschwingen. Ein eigenartiges Projekt. Vielleicht das eigenartigste, das ich je begonnen habe. Aber die Feder treibt und schreibt, und es ruft und lockt eine ganz wundervolle Stimme, deren Klang mir zuerst ein wenig unheimlich war. So unheimlich, wie dem Verzweifelten jener Blick sein kann, der ihm plötzlich ohne Vorwarnung all die unglaublichen und doch so wirklichen Wunder unserer Welt in jeder Blüte, jeder aufspringenden Knospe und dem wilden Gefühl des ersten Kopfsprungs in den geliebten Steinbruchsee Anfang April sein kann. So seltsam es einem Ständigschaffer wie mir ankommt, fast ein Jahr lang gegen Mauern angerannt zu sein, so sehr offenbart sich gerade, wie viel während dieser stillen Zeit (was das Schreiben angeht) wirklich passiert ist. Man sitzt auf seiner Veranda in der Dämmerung, über sich das Sternenzelt, die Finken schlagen im Wald und man ertappt sich beim Grübeln über Längstgewesenes und Niemalsseiendes, beginnt zu lachen, hört einfach auf damit und stellt fest: Man sitzt mitten im Paradies, frei wie ein Vogel und … glücklich. Ich fürchte, die Liebhaber meiner literarischen Schimpftiraden dürften in Zukunft etwas enttäuscht werden, denn die Lust zu schimpfen geht mir gerade massiv ab. Es ist so leicht zu schimpfen, denn es erlaubt, tätig zu sein, ohne etwas verändern zu müssen. Unglücklicherweise hat sich offenbar mein Blickwinkel verschoben, und es zeigen sich meinem Blick so vielfältige, herrliche Wunder, daß mir nach Feiern zumute ist. Und irgendwie, ich weiß auch nicht warum … gefällt mir das. |
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[Norman Liebold,
13.04.2010 |
Von Norman Liebold geschrieben am: 21.02.2010 unter Nähkästchen, ThesbisKarren
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Gestern trabte ich in Köln von Probe zu Probe: Am 26.03., in etwas mehr einem Monat, geht WortAnKlang nach kleiner Pause in neuen Konstellationen an der Start. Den Anfang mache ich mit dem begnadeten und nicht nur vielbesaiteten, sondern auch mit einem ganz erheblichen Repertoire ausgestatteten Gitarristen Bernd Gast (Gläserner Sarg) und dem improvisationsfreudig sympathetischen AlleswaserindieFingerbekommt-Musiker (und Künstler) Maxim Spektor (Der Kulturgeist). Maxim ist links auf den Aufnahmen zu sehen, die ich vorhin von ihm schoß, während er auf seiner Caisa zu meinem “Kulturgeist” spielte – Premiere mit Tom Schmidt an den Udu (Trommelart) am 28.03. in der Kulturkirche Köln-Mühlheim. Premiere mit Bernd Gast am 26.03. in der Bücherei Nettersheim (Eifel). Die Proben haben ausgesprochen viel Freude gemacht – menschlich ebenso sehr wie besonders auch von der Qualität des Zusammenspiels und der entspannten Harmonie des Zusammenfindens von Wort an Klang. In den nächsten Wochen stossen noch weitere Musiker an Harfe, Sas und weiteren Instrumenten zu WortAnKlang, und das Projekt, das ich mit Bernd Vollbach im Herbst 2008 startete und bis Dezember 2009 bundesweit mit viel (Wort)AnKlang und Spielfreude präsentieren durfte, geht gewachsen und verfeinert in diesem Frühjahr auf die Bühnen – ich freue mich schon sehr darauf, besonders – neben den etablierten, schon oft gespielten Shows (Krimifrass, Gläserner Sarg, Kulturgeist, Navigator und Spaltenzungen) – vor allem ab April mit den neuen, vollständig gelesenen Stories aus “Ansichten eines Aktmodells”. Die Hörer dürfen einiges an ungewöhnlichen wie ohrenschmeichelnden Stücken erwarten – besonders, was ich als besonders schön empfinde – mit ausschließlich selbstkomponierten Stücken der jeweiligen Musiker. |
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[Norman Liebold,
21.02.2010 |
Von Norman Liebold geschrieben am: 20.02.2010 unter Autorengefasel, Nähkästchen, PhiloBlog
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Wir schreiben den 20.02.2010, das sind ziemlich genau 10 Jahre nach dem totentänzerischen 20.02.2000. Das wird den wenigsten (noch) etwas sagen, mir dafür aber um so mehr. Ich möchte gern abstrakt bleiben in diesem Bezug: Bestimmten Daten wecken eine gewisse Bewusstheit, weil das Leben bzw. die Leiter der Erkenntnis nicht etwa ein gerade Strecke ist, sondern vielmehr eine sich in weiten Spiralen nach oben schraubende, verschlungene Bewegung, die, wenn sie sich einer auf niedrigerer Ebene passierten Stelle nähert, gewisse Echoeffekte auslöst. Und dieses Widerhallen, diese Steinwurfkreise, die sich auf der Oberfläche der Weltwahrnehmung bilden, machen … aufmerksam. Für das, was sich gleich geblieben ist, für das, was anders ist, für das, was anders scheint, aber im Grunde ein ähnliches Muster bildet. Ein überaus schönes Gefühl ist es, wenn man anstatt des an den letzten Kreisbahnpunktüberschneidungsphänomenen empfundenen “Gut, ich sehe es, faszinierend, aber was soll ich jetzt damit anfangen?” ein eigenartig gelassenes Lächeln an sich bemerkt und der seelische Aufruhr zugunsten einer sehr, sehr einfachen und klaren Handlung oder Nichthandlung ausbleibt. Es erfüllt mich sogar mit einem nicht geringen Erstaunen, dass die Abstiege in eine Reihe von wirbelnden Gedankenstrudeln mit nichts anderem bewaffnet als dem gesunden Menschenverstand, tatsächlich bis zur Quelle des Strudels gelangten, also gelangen und das ganze mit einem homerischen Gelächter beenden konnten.1 Das nahm eine gewisse Zeit in Anspruch, dieses Entstrudeln und homerisch Lachen, und tatsächlich war ich außerstande, in dieser Zeit neue Geschichten fertig zu stellen und auf den Markt und ans geneigte Leserohr zu bringen.
Ich möchte hiermit also ganz allgemein zur Kenntnis bringen, dass ich jene Zündschnur, welche an jenes hochkomplexe, über Monate hinweg ausgetüfteltes Arrangement von Sprengkörpern verschiedenster Art angeschlossen ist, das, einmal in Gang gebracht, nicht mehr aufzuhalten sein wird und keinen anderen Zweck hat, als die letzten Reste gewisser Unnotwendigkeiten3 wegzusprengen, nicht nur genüsslich in Brand gesteckt habe, sondern der rasend schnell sich fortpflanzende, spritzend funkensprühende Glutpunkt längst die ersten Explosionen auslöste. Und ich sitze und schaue und freue mich. Sehr, denn der letzte Rest gewisser zweifelnder Kontrollsüchtlerängste löst sich in einem wirklich ästhetisch ansprechenden Feuerwerk auf. Was genau diese weggesprengten Dinge sind, werden die nächsten vier Stories (“Versichert”, “Ansichten eines Aktmodells”, “Euthanatus” und “Der Stift”) ausführlich und unterhaltsam zu beschreiben wissen. In Vorfreude darauf und auf meine Leserohren daher in diesem Sinne bis dahin.
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[Norman Liebold,
20.02.2010 |
Von Norman Liebold geschrieben am: 30.01.2010 unter Nähkästchen
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Die Welt winkt zaunpfählig, Beorn grinst im Hinterstübchen und die Reanalogisierung manifestiert sich in weiser Stille. Neben einer zerstörten Zylinderkopfdichtung gibt es noch eine andere Entschuldigung, die in angenehmer Weise Verständnis zu wecken imstande ist. Und das trotz der vor und neben der Finanzkriese bedienten Klimakatastrophe aufgrund globaler Erwärmung respektive Global Playing: Nämlich eingeschneit zu sein. Ein Grund, sich zu freuen wie ein Schneekönig. Wenn man es nicht vielleicht sogar ist. Solche Blicke wie links ersichtlich und vor einer Stunde während eines kniehoch schneestapfenden Spazierganges aufgenommen, erheben und machen lächeln. Jetzt, kuschelwarm und teeziehend wieder in der Wohnschnecke, finde ich, sind diese zwei von Frau Holle geschenkten Tage eine wirklich gute Zeit. Zum Lesen, Tee trinken, an Beorns Story arbeiten. Zum ruhig werden. Es ist still um mich – bis auf den leisen, gerade ahnbaren Klang der Kirchenglocken von Eudenbach, der dumpf, fast magisch durch den fallenden Schnee herüberweht. Schnee ist ähnlich magisch wie Nebel. Er verhüllt, birgt, schafft Stille und Raum für Verwandlungen. Und zuweilen – wie justamente jetzt – auch die Zeit dafür. Weil hier, hinter den Sieben Bergen, kein Rad sich dreht und kniehoch auf allen Wegen der Schnee sich breitet. |
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[Norman Liebold,
30.01.2010 |
Von Norman Liebold geschrieben am: 22.01.2010 unter Nähkästchen
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Lebenswelten sind unterschiedlich gestaltet, das ist eine der großen wunderbaren Buntheiten unserer Existenz. Ebenso wie aus diesen Unterschiedlichkeiten Wachstum, Befruchtung und stetig zunehmendes Weltverständnis quellen und keimen kann, gibt es auch Raum für eigenartige Verwerfungen und … Interferenzen. Der nomadisch lebende Kulturschaffende1 stellt irgendwann fest, daß diese Interferenzen geradezu gefährlich für Leib und Leben werden. Gemeinhin, das Angenehme mit dem Nützlichen mit dem Notwendigen verbindend, stellt sich in etwa folgende Situation ein: Der KS2 hat irgendwo einen Auftritt, Auftrag, Besprechung und besucht, da er in der Stadt ist, entweder alte Freunde oder hat genügend interessante neue Menschen kennengelernt, um sie langsam zu solchen zu machen. Für die Sesshaften ist der hereinwirbelnde Nomade auch in den Zeiten von Internet und Fernsehen noch immer etwas besonderes, und sei es auch nur, daß man sich nach etlichen Monaten endlich mal wieder sieht. Ein Fest, wenn man es so will, wo die Gespräche notwendig bis zum Morgengrauen unter Konsumierung diverser geistiger Genussmittel andauern. Selbiges gilt zumeist auch für die Nacht nach Vorstellung oder Vernissage oder Konzert. Das ist wunderbar und sehr angenehm. Das “Fest” ist vorbei, etwas zerknautscht mit etwas schwerem Kopf und verquollenen Gesichtszügen kratzt man sich am Morgen aus der Koje, pumpt ein paar Liter Espresso in sich hinein, duscht möglichst kalt und stellt sich dem Tagewerk. Man kennt das. Die Interferenz wird hierbei von den meisten Seßhaften nicht registriert. Der Nomade reist mit den besten Wünschen und bis zum nächsten Mal ab, der Alltag rollt herein, man tankt Schlaf und Ruhe und läßt den Körper langsam entgiften. Der Nomade aber fährt weiter, und am Abend ist er auf einer Vorstellung, Konzert oder Vernissage, hat einen Auftritt, Auftrag, Besprechung und besucht alte Freunde … und will natürlich nicht unhöflich sein, wenn mit leuchtenden Augen die besondere Flasche Wein ihm vor die Nase gestellt wird aus Freude drüber, daß man sich nach Wochen, Monaten, Jahren mal wiedersieht oder wegen der gelungenen Vorstellung oder weil die Lesung schlecht besucht war oder um einen Auftrag zu begießen, weil er begonnen wurde. Oder weil er beendet wurde. Oder weil er grad sehr gut läuft. Der Besuchte verabschiedet etwas zerknautscht den Nomaden am Morgen. Der Nomade … fährt weiter und nach einer gewissen Zeit, nach ein paar Jahren, spürt er, das er sehr, sehr müde wird. Und gereizt. Sich nach Ruhe sehnt. Er stellt fest, daß das matschige Gefühl im Kopf zur Normalität zu werden beginnt und ihm das nicht gefällt. Vielleicht zieht er sich in ein einsames Gebirge in einen Zirkuswagen zurück. Das ist dann oftmals der Moment, wo man voller Begeisterung über das Gebirge und die Einsamkeit und den Zirkuswagen mit einer Kofferraumladung voll geistiger Konsumgüter zu Besuch kommt. Ich denke, das “nomadeskes Problem des Weltentänzers” ein durchaus angenehmer Begriff dafür ist. Und, sogern der Nomade auch den Sinnengenüssen von Natur aus zugeneigt ist, irgendwann dämmert ihm, daß Paracelsus recht hat, wenn er formuliert: Sola dosis facit venenum.3 Und er muß gewisse Maßnahmen ergreifen, dieFreunden und ebenfalls sinnenzugewandten und zum Teil auch gerade deswegen geschätzten Menschen unter Umständen unverständlich sind – zum Beispiel, wenn dieser lebensfrohe Durchdieweltreiter plötzlich abstinent wird. Das sind einfach Interferenzen und Verwerfungen in der wunderbaren Buntheit unserer Existenzweisen, und ich glaube nicht, daß die Farbenpracht dadurch im geringsten abnimmt, daß man nicht mehr doppelt sieht.
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[Norman Liebold,
22.01.2010 |