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Zufälliges Presse-Zitat

[Der] mystischen Märchenroman “Spaltenzungen”, [greift] die alten Mythen und Geschichten um Anderweit, Parzifal und die Tafelrunde auf[]. Es ist kaum eine bessere Kulisse denkbar, als das märchenhaften Braunfelser Schloss. Aber die Geschichte verwandelt sich überraschend zu einem modernen Seitenhieb auf Politik und Krieg – und das nicht ohne eine herzhafte Prise Humor. — Braunfelser Stadtnachrichten

Norman Liebold. Norman Liebolds "Kulturgeist" als WORTANKLANG-Event mit Maxim Spektor und Tom Schmidt in der Lutherkirche Köln-Mühlheim. Foto: Ann-Christin Zaske – 28-Mrz-2009
Norman Liebold. Norman Liebolds "Kulturgeist" als WORTANKLANG-Event mit Maxim Spektor und Tom Schmidt in der Lutherkirche Köln-Mühlheim. Foto: Ann-Christin Zaske – 28-Mrz-2009
Wave Gotik Treffen 2003, Cinestar Leipzig
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 – 18-Aug-2004
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 – 16-Apr-2007
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 – 17-Nov-2008
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 – 10-Nov-2008
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Norman Liebold. Norman Liebolds "Kulturgeist" als WORTANKLANG-Event mit Maxim Spektor und Tom Schmidt in der Lutherkirche Köln-Mühlheim. Foto: Ann-Christin Zaske – 28-Mrz-2009
Norman Liebold. Norman Liebolds "Kulturgeist" als WORTANKLANG-Event mit Maxim Spektor und Tom Schmidt in der Lutherkirche Köln-Mühlheim. Foto: Ann-Christin Zaske – 28-Mrz-2009
Autorenlesung des Schriftstellers Norman Liebold im Camperstübchen des Campingplatzes Hülder in Eudenbach / Siebengebirge / Deutschland am 26.April 2008. Vorstellung seines Buches "Dichterbrand" Foto: Thomas Nühnen (www.nuehnen.de) – 26-Apr-2008
Autorenlesung des Schriftstellers Norman Liebold im Camperstübchen des Campingplatzes Hülder in Eudenbach / Siebengebirge / Deutschland am 26.April 2008. Vorstellung seines Buches "Dichterbrand" Foto: Thomas Nühnen (www.nuehnen.de) – 26-Apr-2008

Ansichten eines Aktmodells: Kunstmatinee mit dem “Euthanatus”

Von Norman Liebold geschrieben am: 28.08.2010 unter Pressespiegel

Eckdaten der Veranstaltung

Datum

Samstag, 04.09.2010

Ort

Vorstadtprinzessin. Trimbornstrasse 27, 51105 Köln

Titel

Der Euthanatus

Genre/Art

Autorenlesung mit musikalischer Begleitung und Kunstausstellung

Beginn und Ende

  • Eröffnung 20:00 Uhr.
  • Beginn der Lesung 20:30 Uhr.
  • Voraussichtliches Ende 22:30 Uhr.

Beteiligte Künstler


Text

Liebold, Norman: Euthanatus. Ein Siebengebirgskrimi. Königswinter 2010.

Weitere Infos (Web)

Infos zu Norman Liebold



Text: Kunst-Euthanasie in der Vorstadtprinzessin

Norman Liebold gibt mit einer Kunstmatinee der besonderen Art in den gemütlichen Räumlichkeiten der Vorstadtprinzessin Kalk den Auftakt zu seinem neuen genreübergreifenden Literatur-Kunst-Musik-Projekt „Ansichten eines Aktmodells“. Während an den Wänden die Werke der verschiedenen Künstler und Illustratoren ausgestellt sind, wird er die erste Story aus dem Zyklus – die kriminalistisch-psychologische Novelle „Euthanatus“  (Illustriert von Junus Karimow) – mit musikalischer Begleitung in ihrer ganzen Länge (ca. 70 Minuten) vortragen. Der Episodenroman „Ansichten eines Aktmodells“ wird Ende des Jahres erscheinen. Bis zum Veröffentlichungsdatum wird Norman Liebold an verschiedenen Orten der Kunstszene die jeweils entstehenden Novellen mit zeitgleicher Ausstellung der Illustrationen als „WortAnKlang“ vorstellen und so das Publikum am Wachsen und Werden des diskursiven Projektes von Literatur, Kunst und Musik teilhaben lassen.

Der „Euthanatus“ taucht dabei tief in die psychologischen Abgründe zwischenmenschlicher Beziehungen und spinnt darum eine ebenso fein beobachtete wie unheimliche Geschichte um einen Jäger, der sich zur Aufgabe gestellt hat, die psychischen Vampire zu finden und auszumerzen.  Die ausgekoppelte Novelle ist bereits als Einzelbuch erschienen und wird vor Ort durch den Autor signiert.




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Leslie Mader im Hinterhofsalon

Von admin geschrieben am: 27.08.2010 unter Photographische Arbeiten

Leslie Mader im Hinterhofsalon

Leslie Mader im Hinterhofsalon

Die blinde Sängerin Leslie Mader bei einem Auftritt im Kölner Hinterhofsalon. Fotos: Norman Liebold.




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Ferienwoche des Waldritter e.V. zu Siegen

Von admin geschrieben am: 17.08.2010 unter Photographische Arbeiten

Ferienwoche des Waldritter e.V. in Siegen. Foto: Norman Liebold, 2010
Ferienwoche des Waldritter e.V. in Siegen. Foto: Norman Liebold, 2010

Vom 16. bis zum 20. August veranstaltet der Waldritter e.V. in Siegen ein Ferienspiel im Setting von 1001 Nacht.

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Ferienwoche des Waldritter e.V. in Siegen. Foto: Norman Liebold, 2010
Ferienwoche des Waldritter e.V. in Siegen. Foto: Norman Liebold, 2010
Ferienwoche des Waldritter e.V. in Siegen. Foto: Norman Liebold, 2010
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DFerienwoche des Waldritter e.V. in Siegen. Foto: Norman Liebold, 2010
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dFerienwoche des Waldritter e.V. in Siegen. Foto: Norman Liebold, 2010
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Set von Wahrsagekarten für den Waldritter e.V.: Die Sonne

Von admin geschrieben am: 16.08.2010 unter Graphische Arbeiten

Die Sonne, fertig. Set von Wahrsagekarten für den Waldritter e.V.. Tusche auf Papier, Norman Liebold 2010
Die Sonne, fertig. Set von Wahrsagekarten für den Waldritter e.V.. Tusche auf Papier, Norman Liebold 2010

Ich fertige gerade für den Waldritter e.V. ein Set von Wahrsagekarten an, die in den pädagogischen Spielen zum Einsatz kommen. Hier die Karte “Die Sonne”. Die Karten sind grob an den Grossen Arkana des Rider-Tarots orientiert, aber auf die Notwendigkeiten der Waldritter abgestimmt.



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Set von Wahrsagekarten für den Waldritter e.V.: Der Mond

Von admin geschrieben am: 16.08.2010 unter Graphische Arbeiten

Der Mond, fertig. Set von Wahrsagekarten für den Waldritter e.V.. Tusche auf Papier, Norman Liebold 2010
Der Mond, fertig. Set von Wahrsagekarten für den Waldritter e.V.. Tusche auf Papier, Norman Liebold 2010

Ich fertige gerade für den Waldritter e.V. ein Set von Wahrsagekarten an, die in den pädagogischen Spielen zum Einsatz kommen. Hier die Karte “Der Mond”. Die Karten sind grob an den Grossen Arkana des Rider-Tarots orientiert, aber auf die Notwendigkeiten der Waldritter abgestimmt.



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Euthanatus

Von admin geschrieben am: 15.08.2010 unter Geschichten-Hintergründe

Buch_Euthanatus
Junus Karimow (www.junuskarimow.de): Illustration für Norman Liebolds (www.norman-liebold.de) 'Euthanatus", Graphit auf Papier 2010. (Titelabbildung)
Junus Karimow (www.junuskarimow.de): Illustration für Norman Liebolds (www.norman-liebold.de) ‘Euthanatus", Graphit auf Papier 2010. (Titelabbildung)
Junus Karimow (www.junuskarimow.de): Illustration für Norman Liebolds (www.norman-liebold.de) 'Euthanatus", Graphit auf Papier 2010.
Junus Karimow (www.junuskarimow.de): Illustration für Norman Liebolds (www.norman-liebold.de) ‘Euthanatus", Graphit auf Papier 2010.
Junus Karimow (www.junuskarimow.de): Illustration für Norman Liebolds (www.norman-liebold.de) 'Euthanatus'. Graphit auf Papier, 2010.
Junus Karimow (www.junuskarimow.de): Illustration für Norman Liebolds (www.norman-liebold.de) ‘Euthanatus’. Graphit auf Papier, 2010.
Junus Karimow (www.junuskarimow.de): Illustration für Norman Liebolds (www.norman-liebold.de) 'Euthanatus'. Graphit auf Papier, 2010.
Junus Karimow (www.junuskarimow.de): Illustration für Norman Liebolds (www.norman-liebold.de) ‘Euthanatus’. Graphit auf Papier, 2010.
Junus Karimow (www.junuskarimow.de): Illustration für Norman Liebolds (www.norman-liebold.de) 'Euthanatus'. Graphit auf Papier, 2010.
Junus Karimow (www.junuskarimow.de): Illustration für Norman Liebolds (www.norman-liebold.de) ‘Euthanatus’. Graphit auf Papier, 2010.
Junus Karimow (www.junuskarimow.de): Illustration für Norman Liebolds (www.norman-liebold.de) 'Euthanatus'. Graphit auf Papier, 2010.
Junus Karimow (www.junuskarimow.de): Illustration für Norman Liebolds (www.norman-liebold.de) ‘Euthanatus’. Graphit auf Papier, 2010.
Katharina Theine (www.junuskarimow.de): Illustration für Norman Liebolds (www.norman-liebold.de) 'Euthanatus'. Graphit auf Papier, 2010. (Cover Rückseite)
Katharina Theine (www.junuskarimow.de): Illustration für Norman Liebolds (www.norman-liebold.de) ‘Euthanatus’. Graphit auf Papier, 2010. (Cover Rückseite)
Cover des 'Euthanatus' von Norman Liebold mit einer Illustration von Junus Karimow.
Cover des ‘Euthanatus’ von Norman Liebold mit einer Illustration von Junus Karimow.
Rückseite des 'Euthanatus' von Norman Liebold mit der Illustration von Katharina Theine.
Rückseite des ‘Euthanatus’ von Norman Liebold mit der Illustration von Katharina Theine.
Junus Karimow potraitiert den Schriftsteller Norman Liebold, während er schreibt. Photo: Anke Böser, 2010
Junus Karimow potraitiert den Schriftsteller Norman Liebold, während er schreibt. Photo: Anke Böser, 2010
Junus Karimow portraitiert den Schriftsteller Norman Liebold. Photo: Anke Böser, 2010.
Junus Karimow portraitiert den Schriftsteller Norman Liebold. Photo: Anke Böser, 2010.
Blick vom Oberdollendorfer Steinkreis auf das abendliche Bonn. Photo: Norman Liebold, 03.05.2008
Blick vom Oberdollendorfer Steinkreis auf das abendliche Bonn. Photo: Norman Liebold, 03.05.2008
Bengalisches Feuer auf den Rheinweinhängen. Photo: Norman Liebold, 2008
Bengalisches Feuer auf den Rheinweinhängen. Photo: Norman Liebold, 2008
Rhein in Flammen. Photo: Norman Liebold, 2008
Rhein in Flammen. Photo: Norman Liebold, 2008
Die Illustratorin Katharina Theine. Photo: Norman Liebold, 2009
Die Illustratorin Katharina Theine. Photo: Norman Liebold, 2009

Der “Euthanatus” ist einer der Novellen, die eine überaus lange Geschichte hinter sich haben. Die erste Idee entstand 1998 während verschiedener Gespräche mit Martin Herweg und Jens Finkhäuser auf dem Dach meiner Mansarde in Aachen, als wir über Anton Szandor LaVeys “Satanic Bible” diskutierten, insbesondere über die von ihm beschriebenen Psychischen Vampire. Seitdem beschäftigte mich das Thema immer wieder, sowohl auf persönlicher wie auch besonders auf literarischer Ebene, und es fand Eingang in einer ganzen Reihe von Texten wie, zum Beispiel, der “Vampyriade” (1999), Der Wanderer und das Meer (1999), Heimgang (1999), Zwei Schwestern (1999), Mond und Wolf (2000), Incubus (2003), “Venusberg” (2007). Eine ganz besondere Begegnung mit einer Strassenbahn bewirkte 2008, daß ich mich sehr intensiv erneut mit den Psychischen Vampiren, ihren Methoden und Strategien und insbesondere den Folgen für ihre Mitmenschen auseinandersetzte. Der Titel – “Euthanatus” – geht auf einen Neologismus von Martin Herweg zurück, den er für jemanden erfand, der es sich zur Aufgabe macht, diese Energievampire aufzufinden, zu jagen und zu eleminieren. Tatsächlich erwogen wir damals vor 12 Jahren durchaus, selbst zu Euthanati zu werden. Bei mir wurde die Idee letztlich zu dieser Geschichte, und 12 Jahre Zeit der Reifung schufen eine Tiefe und Facettenreichtum in den Charakteren und ihrer Entwicklung, die mich diese Geschichte mit Stolz in Händen halten lassen.

Die “Ansichten eines Aktmodells”



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Leseprobe Euthanatus: 3. Die Bedrohung

Von Norman Liebold geschrieben am: 15.08.2010 unter Leseproben




Auszug aus Liebold, Norman: Euthanatus. Ein Siebengebirgskrimi. Königswinter 2010. ISBN 978-3-937330-33-4. S. 47-55.

Titel des Euthanatus mit Illustration von Junus Karimow.

Krause nickte lächelnd. »Sie haben begriffen. Und ich muss, das muss das Bier sein, noch einmal austreten.«
Er ging. Vor dem Riesenrad ankerten mittlerweile Dutzende hell erleuchtete Schiffe, ich konnte Paare auf dem Deck tanzen sehen.
»Hast‘e ma‘n Euro?« Kam von rechts zusammen mit dem Geruch von billigem Fusel. Ein Penner, weiß der Teufel, wie er hier hereingekommen war, stand am Tisch. Ein weißes Gestrüpp von Bart verdeckte fast das ganze Gesicht, und eine rote Nase mit tiefen Löchern ragte daraus vor. Schwarze Ränder unter gelblichen Nägeln und aus der Nachbarschaftshilfe zusammen geschnorrte Klamotten voller Löcher. Mir fiel der Aphorismus Nietzsches ein, dass Bettler einen sich immer schlecht fühlen lassen, egal, ob man ihnen etwas gibt oder nicht. Der Alte war aufdringlich, er blieb einfach mit ausgestreckt bettelnder Hand in abgeschnittenen, dreckigen Wollhandschuhen am Tisch stehen und schaute mich mit vorwurfsvoll-gequältem Blick an. »Bin ‚ne arme Sau, keen Dach überm Kopp, de Knochen ham dat Reißen«, jammerte er mit forderndem Unterton. Ich wollte ihn nur loswerden und kramte meine Börse hervor. »Sei‘n Se ma nich so knickerich«, maulte er, als ich ihm ein Ein-Euro-Stück reichen wollte.
»Und Sie seien mal nicht so unverschämt!« sagte ich, und er, mit plötzlich veränderter Stimme, erklärte: »Die Technik des Spiegelns ist die sowohl verbreiteteste wie auch gefährlichste des Nörglers.« Krause! Er gab ein kurzes Lachen von sich und ließ sich auf den Stuhl nieder. Etliche Blicke zuckten angewidert herüber, und er rief, mit lallender, grober Stimme: »Glotzen se nich‘ so blöde, feine Pinkel!«
Ich musste grinsen, durchgeknallt war er, keine Frage.
»Er erschleicht sich dein Vertrauen, es gibt da Methoden, gerade für seine offenen, vertrauensseligen Opfer. Und sie erzählen ihm ihre Ängste, ihre Selbstzweifel, ihre geheimen Wünsche. Der Nörgler hat ein Gespür dafür, in welcher Maske er Vertrauen gewinnt, welche Sehnsüchte er auf sich projizieren lassen muss, damit der Wirt ihm die Brust geöffnet.« Der Penner zog ein zerknautschtes Päckchen Aldi-Tabak aus seiner Tasche und drehte sich aus den letzten Krümeln eine schiefe Kippe. »Und wenn er es braucht, macht er nichts anderes, als die tiefsten Selbstzweifel seinem Wirt in die Seele zu rammen. Nichts ist effektiver, nichts trifft tiefer, nichts reißt das Herz so weit auf. Die gescheiterte Beziehung, die alles bedeutet hat, und wo die Frage nach Jahren noch kommt, ob man etwas falsch gemacht hat. Der Zweifel an der eigenen Schaffenskraft in der Krise. Die tiefe Angst, eine in bestimmter Hinsicht hässlicher Mensch zu sein.«
Der Kellner kam und baute sich am Tisch auf. Sein Blick war auf Krause gerichtet wie auf ein widerliches Insekt. »Ich muss Sie auffordern, unser Etablissement umgehend zu verlassen!«
»Verpiss‘ dich, Pinguin!« Krause blickte den Kellner an, und das Pennergesicht verlor seine Schlaffheit. Die kantigen, harten Züge traten hervor, der Blick wurde stechend. Der Kellner senkte die Augen. »Sie haben es nicht anders gewollt«, sagte er mit Unsicherheit in der Stimme. »Ich werde die Polizei rufen.«
»Tu ‚, was du nicht lassen kannst.«
»Wenn Sie nicht in fünf Minuten …«
»Verpiss dich und ruf die Bullen, aber lass mich mit deinem Gequake in Frieden.« Der Kellner drehte sich auf dem Absatz herum und marschierte davon. An den Tischen ringsum schüttelte man mit vorwurfsvollem Blicken die Köpfe. Krause schien es nicht im Geringsten zu stören. »Sie verstehen die Tragweite, Michael, nicht wahr? Diese Vampire quälen, saugen die Lebenskraft gerade aus den wertvollsten Menschen und zwingen sie unter ihre Macht, und sie sind nicht nur deswegen gefährlich. Die aufgesaugte Kraft macht sie nicht nur zu elenden Parasiten, sondern sie macht sie mächtig. Sie schwimmen immer oben, sie nutzen aus, missbrauchten und verfolgen ohne Gewissen und Moral von ihrem Eigennutz, Machtgeilheit und Perversionen geleiteten Ziele. Und oft sind sie so gut getarnt, dass die hohle Maske, die sie als Person angezogen haben, es noch nicht einmal selber weiß.«
Ein unheimliches Licht zuckte über die Terrasse, Krauses Gesicht, ganz struppichter Bart und wild brennende Augen, wurde zum Unheilspropheten, ein alter Eremit, aus den Wäldern getrieben von Visionen des Weltuntergangs. In den aufgerissenen Augen spiegelten sich Feuerräder. Das Feuerwerk hatte begonnen.
Mit unheimlicher Stimme fuhr er fort: »Sie müssen eliminiert werden, sie sind eine grässliche Brut, eine Geißel der Menschheit. Und ich habe meine Methode, um sie zu entlarven.« Er stieß eine Wolke Rauch aus und blies sie mir ins Gesicht. »Ich muss ganz sicher sein. Der Vampir gesteht selbst unter der ärgsten Folter nicht, und auch Wahrheitsdrogen haben keinen Zweck: seine menschliche Hülle ist voll von egozentrischer Selbstgerechtigkeit, oft glaubt sie tatsächlich noch, seinen Wirten Gutes zu tun oder sie ist überzeugt davon, ungerecht behandelt in einer schlechten Welt das einzig angemessene zu tun und im Recht zu sein.
Ich beobachte. Tage. Wochen. Ja, Monate.
Und dann, dann zeige ich mich.«
Das Feuerwerk war in vollem Gange, aus den Lautsprechern dröhnte die Konzeptmusik zum Platzen der Raketen – Also sprach Zarathustra von Strauß – und in den Augen vor mir drehten sich die Feuerräder. Eine Angst packte mich und mein Herz raste.
»Ich halte ihnen den Spiegel vor und forsche in ihren Augen. Ich spreche mit ihnen und beobachte jedes Zucken, jedes Blinzeln, jede unbewusste Regung der Hand. Ich erkläre Ihnen, wer ich bin. Wie ich gelernt habe, sie zu erkennen. Zuerst komme ich ganz unauffällig, vielleicht sogar ein wenig lächerlich. Ein Mann, zufällig im selben Abteil des Zuges, ein ungeschickter Flirtversuch an der Bar. Ein ältlicher, etwas komischer Ausflügler in einem Lokal.«
Meine Nackenhaare richteten sich auf, ich starrte Krause an. In keiner Verkleidung hätte er wahnsinniger aussehen können. »Und Stück um Stück lasse ich die Masken fallen. Wussten Sie, dass die meisten Nörgler sich selbst für Opfer von Nörglern halten, wenn ich Ihnen alles haarklein erkläre? Das ist Teil ihres Schutzmechanismus.«
In meinem Inneren stürzten Bilder übereinander. Erschreckende Bilder. Ich, wie ich von einem Wort der Liebsten verletzt verbal zurückschlug, bis sie weinte. Wie ich einen Freund immer und immer wieder bedrängte, mit seinem Eso-Scheiß endlich aufzuhören und Stunden über die Schwachsinnigkeit von Astrologie, Tarot und Homöopathie dozierte. Die Freundin, die ihre Locken glättete, wo sie mir doch mit besser gefiel, und ich mich nicht unterstehen konnte, sie immer wieder darauf aufmerksam zu machen. Der abstrakte Kollege und meine Vorträge über die Lüge der ungegenständlichen Kunst. Dutzende, hunderte, tausende Bilder, Szenen, Erinnerungen. Welches Recht, welche Kompetenzen maßte ich mir an, über sie zu urteilen und mehr noch, Ihnen dieses Urteil aufzudrängen?
»Die Methode ist sicher«, hörte ich Krauses Stimme. Sie klang drängend, mit einer seltsam gierigen Heiserkeit darin. »Ich kann nicht genau sagen, warum sie effektiv funktioniert. Vielleicht habe ich den Nörgler ganz nah unter seiner Maske, seine scheinbar menschliche Hülle gelockt, der Vampir ist nicht tief drunten im Gewölbe der schwarzen Seele, er ist ganz nah unter der Haut, und ich kann ihn packen. Und in dem Moment muss er in den Spiegel schauen. Der Mythos von den Vampiren – er beschreibt nichts anderes als diese Kreaturen, und die Sache mit den Spiegeln ist genau das. Mit einem Mal sehen Sie sich, und der Spiegel lässt sie den Vampir sehen, das ekle Vieh mit Klauen und Warzen und Blutsauger-Schnauze, der Albtraum jedes Menschen. Sie sehen, wie er sich unter Ihrer Haut abzeichnet, wie er sich vor Entsetzen und Angst unter der dünnen Oberfläche bewegt. Ja.«
Mir wurde schwarz vor Augen, alles in mir drehte sich um und um, mein Bild von mir, von der Welt, es kippte in den Strudel. Die Paukenschläge Zarathustras hämmerten, die »Ah«s und »Oh«s der Leute ringsum waren die Schreie aus einem Inferno und unendlich weit weg. Nur die Augen Krauses ganz nahe vor mir, voller Flammen, Feuergarben und mit bohrendem, eiskalt berechnendem Blick.

Copyright by Norman Liebold, 2010



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Leseprobe Euthanatus: 2. Die Innere Befreiung

Von Norman Liebold geschrieben am: 15.08.2010 unter Leseproben




Auszug aus Liebold, Norman: Euthanatus. Ein Siebengebirgskrimi. Königswinter 2010. ISBN 978-3-937330-33-4. S. 32-40.

Titel des Euthanatus mit Illustration von Junus Karimow.

Wenn das kein geschmackloses Spiel war, das Krause mit mir trieb, dann war das das Vorzeigebeispiel einer paranoiden Wahnvorstellungen, soviel war klar. Immerhin, unbekannt kam mir nicht vor, was er da als Gemeinen Nörgler beschrieb, aber das ist bei Wahnvorstellungen meistens so. Irgendwo ist ein Quäntchen Wahrheit, auf dass sich das ganze kranke Gebäude errichtete.
»Haben Sie zum Beispiel einmal über die Gründe ihrer Schaffenskrise nachgedacht?«
»Nur zu oft!« entfuhr es mir. Und erst im zweiten Moment kroch mir etwas wie ein kalter Hauch über den Rücken. »Woher wissen Sie, dass ich seit zwei Jahren nicht richtig arbeiten kann?«
»Sie erwähnten es, vorhin, als ich bat, ihre Zeichnung sehen zu dürfen.«
Ich konnte mich zwar nicht genau daran erinnern, aber das war gut möglich. Und wie immer er es schaffte, meine Gedanken beschäftigten sich nicht sehr damit – meine Ängste und Sorgen und Grübeleien über den Verlust meiner Schaffensfreude stürzten auf mich ein wie ein Erdrutsch, mich förmlich unter sich zu begraben. »Ja«, hörte ich mich sagen, meine eigene Stimme wollte mir klingen, als käme sie unter Tonnen von Steinen und Geröll und Erde hervor. »Ich habe viel darüber nachgedacht.«
»Die Gedanken-Karusselle? Die Fragen, ob sie gut so sind, wie sie sind? Ob ihre Arbeiten irgendeinen Wert haben? Sie auf dem richtigen Weg sind, ja, ob sie überhaupt einen Funken dessen haben, was einen Künstler ausmacht?«
Das waren Paukenschläge, dumpf, dunkel, mit schwerem Widerhall. Konnte Krause mitten in meine Seele sehen mit diesen graugrün bohrenden Augen?
»Haben Sie sich nicht gefragt, anstatt sich selber immer und immer wieder in den eigenen, entzündeten Wunden herum zu pulen mit selbstzerstörerischer Lust, wer diese Wunden schlug, wer ihnen diesen Juckreiz verpasste?« Er schwieg lächelnd, offenbar wohl wissend, wie es jetzt in meinem Inneren um und um stürzte, ein Strudel, ein Malstrom mich gepackt hatte und in die Dunkelheit hinab riss. Und wie über dem Malstrom eine Stimme ihre Sätze sprach.
»Stopp!« sagte Krause. »Sie sind genau da. Halten Sie inne! Jetzt, jetzt gehen sie einen Schritt zur Seite. Im Geist. Lassen Sie los, verstehen Sie? Lassen Sie los, ihr Geist ist nicht da drin, das ist eine Illusion. Treten sie beiseite und betrachten Sie es. Unbeteiligt. Von außen. Und jetzt fragen sie nicht, ob die Stimme recht hat. Fragen Sie nicht, wer sie sind. Ob sie Kraft haben, ein guter Mensch sind oder egoistisch und eingebildet. Seien Sie sich gewahr, dass sie das sowieso nicht herausfinden können, da, wenn sie es sind, sie es sowieso nicht sehen würden. Stellen Sie jetzt – jetzt – eine andere Frage!« Er beugte sich eine Winzigkeit nach vorn, seine Augen tauchten in das flackernde Licht der Kerzenflamme, und er war mir der Strohhalm im Strudel, die Hand, die sich plötzlich über den Morast streckt, in den man unaufhaltsam einsinkt, und ich war bereit, alles zu tun, was er mir sagte, um herauszukommen. Er sprach jetzt ganz leise: »Fragen Sie: Warum sagt sie so etwas? Hat sie ein Recht dazu? Geht sie es etwas an? Und noch genauer: Kann sie es überhaupt einschätzen? Ist es nicht so, dass gerade sie sich noch nicht einmal für ihre Kunst interessiert, sie am allerwenigsten sich je darüber bekümmert, ja sich auch nur genauer damit auseinander gesetzt hat? Und ist es nicht so, dass ausgerechnet sie – schauen Sie ganz genau hin! – ausgerechnet sie nur einen Bruchteil ihrer Bilder kennt, und auch über die höchstens zufällig, oberflächlich den Blick hat streifen lassen?«
Paukenschläge. Fallende Hämmer. Aber jetzt rissen sie eine Mauer ein.
»Ja. Gut!« flüsterte Krause wie ein Beschwörer. »Lassen Sie nicht locker, schauen Sie ganz genau hin! Worauf zielt es? Ist die genaue Kritik ihrer Arbeit? Oder greift es an schwammig undefinierbaren Allgemeinplätzen an – ohne klar zu sein?
Ich kannte einen Schriftsteller, der litt fünfzehn Jahre unter einem Vampir, war bis auf die Herzfasern zerfleischt und voller Selbstzweifel impotent – bis er merkte, dass trotz stundenlanger Vorträge über seine Unfähigkeit zu schreiben, der Vampir nie auch nur eine einzige Zeile gelesen hatte oder sich überhaupt für Literatur interessierte.«
Es war, als ob ich unter Wasser gewesen war, viel zu lange. Und vergessen hatte, dass ich es war. Mein Kopf durchbrach eine unsichtbare Oberfläche und plötzlich konnte ich wieder atmen.
»Verstehen Sie?« fragte Krause. Ich konnte nur nicken, mir schien es, als ob die Welt blank geputzt sei, und in mir drinnen war eine stille, eine einfache Stille, die nichts wollte und in etwas wie einer ruhigen Heiterkeit schwebte.
»Das Phänomen ist ziemlich weit verbreitet«, erklärte Krause mit einer Sachlichkeit, die an einen Vortrag erinnerte. »Viele, fast könnte man sagen die meisten, sind zu einem kleinen Teil Vampir, das macht diese Gesellschaft: Kontrollsucht, ewiges Vergleichen, gezüchtete Ängste und Unzufriedenheit und Neid. Es geht um Macht und Kontrolle. Die Kirche hat das schon früh perfektioniert: schaffe es, den Menschen sich schlecht und schuldig und voller Gemeinheit zu fühlen. Am besten dir gegenüber. Und er wird alles tun, um es wiedergutzumachen; schaffe es, dich als Rettung, als Anker, als wenn möglich einziger Ratgeber zu etablieren, und du hast ihn völlig in der Hand.
Das vorgebliche Verletztsein oder gar Tränen mancher immer dann, wenn sie die Kontrolle und den eigenen Vorteil zu verlieren drohen, ist ein vergleichsweise harmloses Beispiel für die normalen Verhaltensweisen dieser Art: Der Empfindsame fühlt sich sofort beschämt, beginnt sich zu entschuldigen, so gemein und krass das auch war, was ihm angetan worden ist – und er lässt das Thema fallen und den Zustand bestehen. So etwas ist mir gleichgültig. Auch jene, die gelernt haben, aufmerksame, geduldige, aufopferungsfähige Menschen dadurch zu quälen, dass sie ihnen Hartherzigkeit, Kälte und Unverständnis für ihre vorgespiegelten Schwächen, angeblichen Krankheiten und unverschuldeten psychologischen Defekte vorwerfen, um sich dann von ihnen aushalten zu lassen und sie für sich einzuspannen und in Verantwortlichkeiten zu fesseln – harmlos. Auch wenn sie feststellen werden, dass die echten Vampire auch diese Taktiken verfolgen.«
Die bengalischen Feuer tauchten jetzt das ganze Rheintal in rote Glut. Ein Gleichnis. Denn wie das Tal, so fühlte sich auch mein Inneres mit einem fremdartigen, glühenden, unheimlichen Licht, dass meine Welt anders aussehen ließ.
»Sie werden feststellen, dass es gerade die empfindsamen Menschen mit höchsten moralischen Vorstellungen und vielgestaltigen Talenten sind, die von den heftigsten Zweifeln an und von Vorwürfen der schlimmsten Art gegen sich zernagt und zerfressen sind. Die von tiefem Mitgefühl und offener Seele, die in den infernalischen Qualen leben, das egoistischste, widerlichste, hässlichste Ekel zu sein. Und das hat keinen anderen Grund, sage ich Ihnen, als dass sie – gerade sie! – die perfekten Wirte für die seelensaugenden Vampire sind. Weil sie aufgrund ihres inneren Reichtums sehr ergiebig, und weil sie empfänglich sind.«
Er winkte den Kellner, der gerade vorüber kam. Er war wieder ganz der kurzärmelig-lächerliche Tourist mit nichtssagend-biederem Lächeln, und ich hing irgendwo in einer seltsamen Welt voller Dämonen. Unten, auf dem lavaroten Band des Rheins, sammelten sich die ersten Schiffe und ankerten unterhalb des bunt beleuchteten, sich langsam drehenden Riesenrades. Händel-Klänge plätscherten sanft über das heitere Plaudern der anderen Gäste, und alles war mir unsagbar fremd und fern wie auf einem anderen Planeten.
»Möchten Sie auch noch etwas?« fragte mich der Kellner. Seine Haltung verriet, dass er nicht zum ersten Mal fragte. »Entschuldigen Sie«, bekam ich mit unsicherer Stimme heraus. »Bitte noch ein kleines Pils.«
»Ich jage sie«, erklärte Krause, sobald der Kellner wieder gegangen war. Sein Gesicht war wieder ganz harte Linie und stechend-gefährlicher Blick. Es war beängstigend, wie die An-oder Entspannung einiger Muskeln einen anderen Mann aus ihm machte. Und unter dem Blick durchfuhr mich plötzlich ein heißer Schrecken, völlig irrational.
»Mich?« krächzte ich.
»Die Nörgler.« Er ließ seine Zähne kurz in einem Lächeln aufblitzen, aber mir schien es eher ein gehässiges Grinsen. »Ich erkenne sie. Ich verfolge sie, und dann … eliminiere ich sie. Ich bin, ohne mich rühmen zu wollen, ein Meister. Man kam mir nie auch nur ansatzweise auf die Spur, man hat noch nicht einmal den geringsten Verdacht.« Der Kellner kam und stellte unsere Getränke auf den Tisch. Und ohne sich offenbar darum zu sorgen, dass seine Worte auffallen und Verdacht erregen könnten, fuhr er in der gelassensten Weise fort: »Selbstmord. Herzversagen, ein trauriger Unfall oder schlichtes, spurloses Verschwinden. Sie würden nicht glauben, wie viele erstaunliche Möglichkeiten es gibt. Aber, bitte entschuldigen Sie, ich muss kurz austreten.«


Copyright by Norman Liebold, 2010



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Leseprobe Euthanatus: 1. Der Beginn

Von Norman Liebold geschrieben am: 15.08.2010 unter Leseproben




Auszug aus Liebold, Norman: Euthanatus. Ein Siebengebirgskrimi. Königswinter 2010. ISBN 978-3-937330-33-4. S. 9-17.

Titel des Euthanatus mit Illustration von Junus Karimow.

Vielleicht erinnert Ihr euch an Rhein in Flammen dieses Jahr, es war der erste warme Tag nach diesem kalten, langen Winter. Es gibt wohl keinen schöneren Ort hier in der Gegend als den Petershof, um einen solchen Frühjahrsabend zu genießen.
Ich saß auf der Terrasse, vor mir ein kühles Blondes, und führte meinen Blick über die Zinnen und Zacken des Drachenschlosses, den kariösen Zahn der Drachenburg und die steilen Klüfte des Drachenfelsens spazieren, als ein Schatten über den Tisch und das kondensbeperlte Kölschglas fiel.
Vor mir stand der Inbegriff des gutbürgerlichen Beamtentums im Ausflügler-Modus: Kurze Hosen, wei
ße Socken, Sandalen und kurzärmeliges Hemd, auf dem Kopf einen geflochtenen Sonnenhut und eine dieser unsäglichen Kunstledertaschen über die Schulter gehängt, wie sie in den Siebzigern in Mode gewesen sein mochten.
»Entschuldigen Sie bitte, ist dieser Platz noch frei? Mir steht es fern, sie stören zu wollen, aber mir scheinen alle anderen Plätze belegt zu sein.«
Ich zuckte mit den Schultern, nickte und wandte mich wieder dem glitzernden Band des Rheins zu, wie er sich zwischen Bonn und Beuel hindurch schlängelt. In den Auen ragte schon das Riesenrad empor, und ich freute mich auf den Einbruch der Dämmerung, wenn es im schwindenden Tageslicht in allen Farben erglühen würde.
»Ein herrliches Wetterchen«, kam von rechts. Etwas widerwillig wandte ich mich vom weit schweifenden Panorama ab und meinem Tischnachbarn zu. Er hatte den Strohhut abgenommen und wischte sich mit kariertem Taschentuch die Stirn. Er mochte Ende dreißig sein oder auch Mitte fünfzig, diese merkmalslose Allerweltsbeamtenmaske ließ beides zu, aber der spärlichen, farblosen Haarreste wegen nahm ich eher Letzteres an.
»In der Tat«, sagte ich möglichst lakonisch, denn wenn ich auf eines keine Lust verspürte, dann auf plattes Gerede über das Wetter. Er entschloss sich jedoch, das mit leutseligster Miene zu ignorieren und plapperte fort: »Gerade recht, um es sich an einem so schönen Ort bei einem Bierchen wohl sein zu lassen, nicht wahr? Und die Augen an Gottes wunderbarer Schöpfung zu weiden.«
»Lassen Sie Ihre Augen weiden, wenn Sie Lust dazu verspüren.« Der Ausflügler schaffte es, auch hier die Spitzen nicht zu bemerken und streckte mir eine säuberlichst manikürte Hand über den Tisch. »Krause«, sagte er. »Manfred Krause. Mein Name. Meine Freunde nennen mich Manni.«
Die Hand schwebte über dem Tisch zwischen uns, ich schaute sie an, und es verstrichen jene kostbaren Sekunden, in denen der andere die für beide Seiten dankbare Möglichkeit hat, zu begreifen, dass man kein Interesse hat und er ohne Peinlichkeit die Hand zurückziehen kann. Dann kommen die Sekunden, wo sich das Ganze mit sich exponentiell steigernder Peinlichkeit in Richtung grobe Unhöflichkeit bewegt, und dieser Kerl mit feinen Schweißperlen auf Stirn und Nasenrücken stand immer noch da mit seinem höflich biederen Lächeln voll unbedarfter Aufgeschlossenheit. Und kurz bevor die Sekunde kam, wo die grobe Unhöflichkeit sich in direkte Beleidigung verwandelte, gab ich soviel penetranter Liebenswürdigkeit nach und reichte meine Hand mit innerlichem Widerwillen herüber.
Die Hand war nicht die weich-schwammig verschwitzte Beamtenflosse, die ich erwartet hatte. Sie war ein trockener, rauer Schaubstock aus Sehnen. Für einen winzigen Moment schauten unter den buschigen Brauen zwei stechend grüngraue Augen hervor. Das fast debile Lächeln darunter veränderte sich jedoch nicht im Geringsten, mit der unschuldigsten Stimme nannte er meinen Namen, um ein harmloses »Nicht wahr? Sehr angenehm« hinterher zu schicken. Ich war ein wenig verstört, meine Hand schmerzte tatsächlich vom Händedruck, und ich war froh, als der Kellner kam und der Mann beim Bestellen auch ihn mit Betrachtungen über das schöne Wetter beglückte. Ich zog mein Notizbuch hervor, das ich immer bei mir habe, falls mich die Lust überkommt, eine Zeichnung zu machen. Ich heftete meinen Blick auf den Drachenfels und zog die erste Linie. Seit Monaten hatte ich nicht gezeichnet, und schon wollte ich dem komischen Herrn eine gewisse Dankbarkeit zollen. Immerhin brachte er mich zum Arbeiten, auch wenn ich das Buch nur aufgeschlagen hatte, um mich dahinter zu verschanzen. Aber da steckte er den Kopf schon neugierig zu mir hinüber und ich hörte den abgedroschensten Satz, den man bei solchen Gelegenheiten hören kann: »Sind Sie Künstler? Wie schön!« Ich seufzte innerlich und verfluchte die leutselige Penetranz dieser Rheinländer, die völlig unfähig waren, einen in Frieden zu lassen und die sich immer mit allen und jedem gemein machen müssen.
»Es gibt Leute, die es sich nicht verkneifen können, mir so etwas zu unterstellen«, gab ich zurück.
»Wie interessant. Dürfte ich vielleicht einmal sehen?«
Ich blickte auf die verlorene Linie auf dem weißen Papier, die mich nur zu sehr daran erinnerte, wie lange ich nicht hatte arbeiten können. Sie zog vage den Höhenzug hinter dem Drachenschloss nach und deutete die Krümmung des Flusses an. »Da ist noch nichts zu sehen«, sagte ich abweisend.
»Nicht so bescheiden« ließ er nicht locker, und sein dümmlich-aufmunterndes Lächeln machte mich irgendwie wütend. Mir war danach, ihm zu sagen, was für eine lächerliche, armselige Person er war, dass er mich mit seinen aufdringlichen Annäherungsversuchen gefälligst in Ruhe lassen sollte, aber ich schluckte es herunter. Wahrscheinlich würde ihn das ebenso wenig davon abhalten, mich mit seinen plumpen Plattheiten zu behelligen, wie meine Versuche, ihn einfach zu ignorieren. Ich klappte also mein Buch zu und blickte ihn an. Er setzte gerade sein Glas ab, auf der Oberlippe saß ein kleines Bärtchen Schaum, und natürlich gab er ein behagliches Seufzen von sich. »Wunderbar.«
Hinter dem verlängerten Glas-Penis der Telekom sank die Sonne als purpurroter Ball in die Stadt, vom Osten her kam das samtene Blau der Nacht mit dem Blinzeln der Venus. Ich atmete das aufgeregt-fröhliche Plaudern der Vorfreude auf die Nacht des Feuerwerks und versuchte, die Menschen zu lieben. Einschließlich penetranter Rheinländer in Tennissocken und Sandalen.
»Und, was machen Sie so, wenn Sie nicht ihren freien Tag genießen bei einem Bierchen auf dem Petersberg?« fragte ich so freundlich-interessiert, wie ich es nur heucheln konnte.
Er lächelte. Meine Frage schien ihn zu irgendwelchen amüsanten Betrachtungen zu animieren, denn es dauerte eine Weile, bis er schließlich gedehnt antwortete: »Nun, das ist nicht so einfach zu beantworten, aber vielleicht, ja, vielleicht käme man der Sache durchaus nahe, wenn man sagte, ich wäre in der … Schädlingsbekämpfung tätig, ja, Schädlingsbekämpfung, das passt schon irgendwie.«
»Interessant«, sagte ich und hörte, dass es nicht nur in meinem Inneren wie das Gegenteil klang. Mir drängte sich das Bild auf, wie dieser Herr mit sauber manikürten Händen und fiesem Grinsen weißbekittelt vergiftete Köder ausgelegte und sich an der Vorstellung erwärmte, wie irgendwelche kleinen Nager sich unter Schmerzen krümmend langsam und qualvoll verreckten. »Ja, in der Tat, das ist eine sehr interessante Tätigkeit. Abwechslungsreich, nicht ungefährlich und, ja, ich würde mich nicht scheuen zu behaupten, dass ich – auf meine Art, verstehen Sie – ja, dass ich durchaus eine Art Künstler bin.«
»Ah.« Mehr brachte ich nicht heraus.
»Nun, sehen Sie, es ist eine Art Berufung. Aber ich möchte Sie wirklich nicht langweilen.«
»Tun Sie nicht«, kam es automatisch aus meinem Mund. Mein Blick ging den Rhein hinauf. Die Sonne war inzwischen untergegangen, die Dämmerung kroch schnell und blau über die sieben Berge, und unten im Tal, in den Rheinauen, begann die Lichter des Jahrmarkts in den unterschiedlichsten Farben zu glühen.
»Kennen Sie den Gemeinen Nörgler?« fragte der Ausflügler. Auf der Terrasse war es schnell dunkel geworden, die Kerzen in den Windgläsern waren noch nicht entzündet. Die Person mir gegenüber wirkte im Zwielicht anders. Wenn man kurzärmeliges Hemd und Tennissocken nicht direkt sah, fiel die drahtige, gespannte Figur des Mannes plötzlich ins Auge. Und das Gesicht, auf die notwendigsten Linien reduziert, bekam etwas Hartes, Markantes. Unter dem Dunkel der Hutkrempe konnten, das Bild wollte mich nicht loslassen, jene kalten, stechenden Augen liegen oder auch die weichlichen mit dümmlicher Liebenswürdigkeit.
»Gemeiner Nörgler?« fragte ich und versuchte belustigt zu klingen. »Ist das Kammerjäger-Jargon für ein besonders lästiges Krabbeltier?«
»Gemein nicht im Sinne von hinterhältig oder böse, sondern klassisch wie bei der Gemeinen Kiefer oder dem Gemeinen Buchfink.«
»Nein, tut mir leid. Das sagt mir nichts.«
»Sie kennen sie bestimmt.« Seine Stimme hatte, schien es mir, den fistelig-leutseligen Charakter verloren und klang tiefer, kraftvoller. Aber das mochte auch einfach an der Dunkelheit liegen.

Copyright by Norman Liebold, 2010



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Photographische Akte: Jessica

Von admin geschrieben am: 13.08.2010 unter Photographische Arbeiten

Jessica. Photo: Norman Liebold, 2010

Jessica. Photo: Norman Liebold, 2010

Der weibliche Körper ist doch irgendwie eines der schönsten aller denkbaren Motive! Vielen Dank an das Modell!




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