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Meine Wohnschnecke ruht, wie einige meinen, am Arsch der Welt. Allein, es gibt hier durchaus noch arschigere Weltärsche. Wenn es über 34 Grad im Schatten wird und man sich bewußt ist, daß einigermaßen zugängliche Steinbrüche wie Dachsberg, Dornheckensee oder auch der “eigene” mit höchster Wahrscheinlichkeit von lärmenden Massen1 bevölkert sein dürften, schlägt man sich durchaus in gänzlich unbekannte Weltarsch-Ritzen, dergestaltig, daß auf den letzten 10 Kilometern ein entgegenkommendes Fahrzeug gleich welcher Art ersteinmal eine ganze Zeit Rückwärtsgang bedeutet bis zur nächsten Ausweichbuch auf dem Asphaltstreifen, der kaum breiter ist als der Abstand meiner Reifen. In der Nähe eines, nun, nennen wir es “Dorf”, obwohl es weder Kirche noch Kneipe sein eigen nennt, gibt es noch einen “Geheimtipp”. In der Tat räkelten sich, als ich ankam, da gerade mal vier Freikörperfetischisten wie meine eigene Wenigkeit und ich fand auch ein schönes Plätzchen, wo ich Sonntag Nachmittag mit Schwimmen, Momo und Sinnen verbringen konnte.

Bis irgendwann ein Mensch mit gelber Leuchteweste, großem Fernglas und anderer professionell wirkender Merkmale auftauchte, sich am Hang über mir aufbaute und mir herausfordernd entgegen schaute mit der Bemerkung “Sie wissen ja wohl, daß das verboten ist, oder?” Ein wenig von der Unhöflichkeit angepißt, als vollständig angekleideter Mensch einen Nackten anzuglotzen ohne ihm die Möglichkeit zu geben, sich ersteinmal anzukleiden2, fragte ich etwas provokativ, ob ihn wohl meine Nakedeiigkeit stören würde und ob er es nicht angemessen fände, mir einen Moment Zeit zu geben, auf daß ich mich bedecken könne. Er erging sich in allerlei Schilderungen von Schildern3 und erklärte dann das, weswegen ich – wo der Rechner mal grad an ist – einen Blogeintrag machen möchte.

“Ich habe Photos von Ihnen gemacht”, meinte er nämlich – ohne sich im geringsten zu schämen, wie gesagt, dies einem Nackten zu erzählen, während er sehr wichtig auf die dicke Digitalkamera mit Erektion deutete, die vor seinem ansehnlichen Bauch hing. Neben allerlei vorgetragenen Erklärungen, daß er “ja nicht so sei”, und ich ja ganz offensichtlich ein “Anständiger” wäre4, erzählte er dann, was das “normale Verfahren” sei.

Die Photos nämlich, die er mache, die würde er per Mail an zuständige Stelle in Neuwied übermitteln. Er selber nähme noch nicht einmal die Personalien auf oder hätte auch nur die Berechtigung, die Strafgelder zu kassieren. In Neuwied speiste man die Photos in den Großrechner, welcher dann die Personalien der betreffend abgelichteten Personen ausspucke. “Das geht ratz fatz!” erklärte der nette Herr mit vor Begeisterung klebriger Stirn. “Es hat gar keinen Zweck, wenn Jugendliche wegrennen – wenn ich sie im Kasten hab, haben wir sie!” Es folgten noch zwei, drei wohl abschreckend gemeinte Anekdötchen von bösen Menschen, die hier meinten, einfach so baden gehen zu können.5 Einer davon sogar aus Koblenz. Aber alles kein Problem: “Kaum waren die Bilder drüben, wußten sie schon, wer’s war: So schnell war der gar nicht wieder zuhause, da hatten wir ihn schon!” 25 Euro kostet so ein Vergehen, wenn man nicht an solch einen pflichtbewußten und netten Herrn wie ich gerät, mit dem man dann noch ein nettes Pläuschchen hält.

Ich möchte nicht lamentieren. Zum Teil kann ich so ein Verbot durchaus nachvollziehen angesichts der lärmenden Menschlinge, welche ihren Lebenszweck in Verwüstung, Verschreckung einheimischer Tiere und den deutlichen Kennzeichnung der Landschaft mit allerlei unverrottbarem Müll ebenso zu sehen scheinen wie der Inbegriff von Humor für sie ist, Glasflaschen in den See treiben zu lassen und sie mit Steinen zum Bersten zu bringen.6 Allein… das darf doch nicht wahr sein? Hallo? Bitteschön? Ein alter Mann mit zorneszitternden Pupillen, der entrüstet darüber, das man Schilder ignorieren kann nach dem Ausweis fragt – in Ordnung, schließlich sind wir ja in Deutschland, nicht wahr? Aber Digitalphotos schießen, diese an einen Großrechner weiterleiten, der daraufhin die Personalien ausspuckt7 – das Ganze am besten noch, ohne Wissen des entsprechenden… und dabei die Begeisterung, ja den Stolz in der Stimme des Wächters zu hören.

Uiuiui… das ist schon mehr als gruselig, in der Tat, mehr als das!

Auf der anderen Seite: Wer weiß schon, ob so ein nackter Liebold am Germscheider Steinbruch nicht gerade das nächste Attentat plant?

  1. Relativ natürlich, denn was dem Bonner Freibadgänger lärmende Massen sein mögen, hat damit natürlich nichts zu tun. []
  2. Nicht daß mich dergleichen peinlich berühren würde, aber dergleichen Unhöflichkeiten finde ich ungeachtet denkbarer Umstände einfach unangebracht. []
  3. Als ob wir beide, er genauso wie ich, nicht genau wüßten, daß es mindestens achtundfünfzig baumverschandelnde Schilder auf den 45 Metern von Waldrand bis Wasser gab und es völlig albern ist zu erwarten, daß ich rot werde und mit gesenktem Blick erklärte, daß ich sie übersehen hätte – man sah ja faktisch den Wald vor lauter Schildern nicht. []
  4. Was Bezug nahm auf die Tatsache, daß ich in der Tat weder irgendwelche Bäume fällte, kiloweise Plastikmüll verstreuend mitten auf den Weg kackte oder Bierflaschen ins Wasser warf. []
  5. Hierzu muß bemerkt werden, daß das offizielle Badeverbot erst seit etwa zwei jahren besteht, also keine Notwenigkeit darstellt. Die meisten der Steinbrüche funktionieren doch eigentlich nach dem Prinzip: Wer ersäuft ist selber schuld. Was ich in Ordnung finde. Schließlich interessiert es einen dann eh nicht mehr. []
  6. Wie sehr unschön zu sehen bei der Höhle am Dachsberg. []
  7. Man frage mich nicht nach den technischen Möglichkeiten… vielleicht bin ich noch zu hoffnungsvoll, daß ich hier noch denke, daß es sich um die sifi-lastigen Hirngespinste eines Steinbruch-Über-Wächters handeln könnte… []

[Norman Liebold, 16.07.2007
Nähkästchen
Kommentare: 1 KOmmentar » ]



    Norman Liebold sagt am 1. Oktober 2007

    Dazu möchte ich doch noch etwas loswerden. Zum einen, das ich aktuell ein wenig für meinen “Langen Eugen” recherchiere und es mir wie Schuppen von den Augen fiel. Das Mensch da mit der dicken Kamera muß mich gar nicht mal verulkt haben: Seit dem 01.01.2006 werden biometrische Daten nicht nur zwangsläufig erhoben, sobald ein Reisepaß beantragt wird. Sie werden nicht nur in dem selben in einem Chip gespeichert, der selbsttätig diese Daten auf Abruf von Außen sendet, nein, sie werden vor allem auch zentral gespeichert. Was ermöglicht, durch eine einigermaßen scharfe 2-dimensionale Aufnahme des Gesichtes einen Menschen eindeutig zu identifizieren. Nebenbei bemerkt wird dies ab 01.01.2008 auch beim Perso der Fall sein und damit flächendeckend in Deutschland. Schäuble und Frattini munkeln schon herum, daß ja auch Retina- bzw. Iris-Scans nicht schlecht wären…

    Zum anderen, daß diese Szene bestimmt im “Langen Eugen” vorkommen wird…


    .

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