

Heute bekam ich ein Paket. Eine Büchersendung, um genau zu sein. Aus den Niederlanden. Mit einem Buch drinnen, dessen Autor in der Tat niemand anderes ist bzw. war als ich daselbst.1 Seltsam genug, daß jemand nicht weniger als 4,02 € investiert, um mir ein Buch zurückzuschicken2, viel seltsamer ist vielmehr, daß dies mehr als jedes andere Vorstellbare eine äußerst unwahrscheinliche postwendende Sendung aus den tiefsten Tiefen der Vergangenheit darstellt.3
Daß sich der Absender verschweigt, macht es nur geheimnisvoller.
Warum geheimnisvoll? Weil es dieses Buch eigentlich niemals gegeben hat. Ich habe davon zwei Exemplare anfertigen lassen, das muß 1995 gewesen sein. Es stellt eine Sammlung dar aus meinen ersten fünf “Veröffentlichungen”4 Eines dieser beiden Bücher habe ich selbst aus der Stadtbibliothek entfernt, das andere war verschwunden.
Zwangsläufig muß das Buch, was mich heute erreichte, letzteres sein. Wie das nach Holland gekommen ist, wer der Federführer der ausgesprochen hübschen und definitiv weiblichen großbuchstabigen Schrift ist, mit der die Adresse vermerkt wurde – ich habe keine Ahnung, und möchte es durchaus im Dunkeln lassen, denn dieses Paket hat für mich noch eine ganz andere, fast magische Bedeutsamkeit.
Ich habe meine Anfänge zurückbekommen. Meine allerersten Veröffentlichungen, die ich zum Teil selber nicht mehr habe. Und das an einem sehr besonderen Moment. Das hat schon etwas ausgesprochen Symbolisches, finde ich, gerade weil es so unwahrscheinlich ist5. Ich möchte da auch gar nicht weiter rätseln, sondern es als Schicksalswink demütig in Empfang nehmen: Wegen Holland, wo ich die sterblichen Überreste meines Vaters vor 30 Monden6 verbrennen sah und seinen Rauch in den Morgenhimmel steigen. Wegen meiner eigenen schriftstellerischen Anfänge, denen ich im Verlaufe der letzten 2 Jahre cornelianisch7 nachgekrochen bin. Und durchaus danke für das letzte verschollene und lange nicht auffindbare Exemplar von “Der Werther im Roggen” – das läßt einen ganz, ganz alten Gewissensbiß schweigen.
Eine sehr schöne Sache ist dies auch in Bezug auf das, was ich gestern schrieb: Denn in Bezug auf das Schöpfen machte ich mir die Zeit um 1996 erinnerlich, wo ich nicht nur noch keinen Computer besaß, sondern vor allem die allerersten derjenigen Geschichten schrieb, die ich auch heute noch als “Geschichten” betrachten kann und die als die “Geschichten des Toten Barden” in “Krähe und Nachtigall” enthalten sind8 Und wie ich sie schrieb.
Aber ich denke, darüber werde ich heute Abend noch ein paar Worte verlieren wollen… denn das ist ein schon fast erkenntnistheoretischer Schritt, der hiermit schicksalsträchtig geschwängert und bestätigt wurde.
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[Norman Liebold,
25.06.2007 |
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Norman Liebold sagt am
26. Dezember 2007
In der Tat habe ich mir die Mühe gemacht, diesen ganzen alten Kram zu digitalisieren und zwecks Dokumentation in das “Kuriositätenkabinett” zu stellen. Auch wenn die Texte mehr als nur miserabel sind und es gut ist, daß die fünf Heftchen längst in den Orkus des nichtmehrkäuflicherwerbbaren Vergessens übergetreten sind, ist es zuweilen eine interessante Erfahrung, auf die Anfänge schauen zu können… |
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