Amazon.de Widgets
NORMAN-LIEBOLD.COM | LIEBOLDBUCH.DE | LESEPERFORMER.DE | LIEBOLDKUNST.DE | LIEBOLDPHOTO.DE | LIEBOLDDESIGN.DE | SIEBENKUNST.DE | SIEBENGEBIRGSKRIMI.DE | WORTANKLANG.DE

WWW.NORMAN-LIEBOLD.COM

 

Heute bekam ich ein Paket. Eine Büchersendung, um genau zu sein. Aus den Niederlanden. Mit einem Buch drinnen, dessen Autor in der Tat niemand anderes ist bzw. war als ich daselbst.1 Seltsam genug, daß jemand nicht weniger als 4,02 € investiert, um mir ein Buch zurückzuschicken2, viel seltsamer ist vielmehr, daß dies mehr als jedes andere Vorstellbare eine äußerst unwahrscheinliche postwendende Sendung aus den tiefsten Tiefen der Vergangenheit darstellt.3

Daß sich der Absender verschweigt, macht es nur geheimnisvoller.

Warum geheimnisvoll? Weil es dieses Buch eigentlich niemals gegeben hat. Ich habe davon zwei Exemplare anfertigen lassen, das muß 1995 gewesen sein. Es stellt eine Sammlung dar aus meinen ersten fünf “Veröffentlichungen”4 Eines dieser beiden Bücher habe ich selbst aus der Stadtbibliothek entfernt, das andere war verschwunden.

Zwangsläufig muß das Buch, was mich heute erreichte, letzteres sein. Wie das nach Holland gekommen ist, wer der Federführer der ausgesprochen hübschen und definitiv weiblichen großbuchstabigen Schrift ist, mit der die Adresse vermerkt wurde – ich habe keine Ahnung, und möchte es durchaus im Dunkeln lassen, denn dieses Paket hat für mich noch eine ganz andere, fast magische Bedeutsamkeit.

Ich habe meine Anfänge zurückbekommen. Meine allerersten Veröffentlichungen, die ich zum Teil selber nicht mehr habe. Und das an einem sehr besonderen Moment. Das hat schon etwas ausgesprochen Symbolisches, finde ich, gerade weil es so unwahrscheinlich ist5. Ich möchte da auch gar nicht weiter rätseln, sondern es als Schicksalswink demütig in Empfang nehmen: Wegen Holland, wo ich die sterblichen Überreste meines Vaters vor 30 Monden6 verbrennen sah und seinen Rauch in den Morgenhimmel steigen. Wegen meiner eigenen schriftstellerischen Anfänge, denen ich im Verlaufe der letzten 2 Jahre cornelianisch7 nachgekrochen bin. Und durchaus danke für das letzte verschollene und lange nicht auffindbare Exemplar von “Der Werther im Roggen” – das läßt einen ganz, ganz alten Gewissensbiß schweigen.

Eine sehr schöne Sache ist dies auch in Bezug auf das, was ich gestern schrieb: Denn in Bezug auf das Schöpfen machte ich mir die Zeit um 1996 erinnerlich, wo ich nicht nur noch keinen Computer besaß, sondern vor allem die allerersten derjenigen Geschichten schrieb, die ich auch heute noch als “Geschichten” betrachten kann und die als die “Geschichten des Toten Barden” in “Krähe und Nachtigall” enthalten sind8 Und wie ich sie schrieb.

Aber ich denke, darüber werde ich heute Abend noch ein paar Worte verlieren wollen… denn das ist ein schon fast erkenntnistheoretischer Schritt, der hiermit schicksalsträchtig geschwängert und bestätigt wurde.

  1. In der Tat sehe ich zwischen demjenigen, der diese Geschichten schrieb und demjenigen, der ich heute im Begriff bin zu werden, derart viele maßgebliche Unterschiede, daß ich kaum annehmen kann, daß es sich um denselben handelt – trotzdem die meisten gerne behaupten, ich würde mich im Kerne nie und äußerlich nur unwesentlich ändern — aber damals ließ ich in weißen, von meinen Freunden signierten Klocks, Holzfällerhemd, Zahnspange und langen Haaren herum! []
  2. Was so nicht korrekt ist, denn dieses Buch hat in der Siegburger Stadtbibliothek gestanden, wie der Stempel vorne zeigt. []
  3. Mein Gott: Als ich dieses Buch im Copyshop binden ließ, trug ich noch eine Zahnspange!!! []
  4. Diese zwei “Bücher” – sofern man sie überhaupt so bezeichnen kann – waren über eine gewisse Zeit hinweg Konzentrationspunkt meiner Schamgefühle, befanden sich in ihnen doch eine Geschichte namens “Ein Werther im Roggen”. Eines dieser schrecklichen Jugendsünden, welche man nach dem Ende der ersten Beziehung als nur halbwegs kaschierten Briefroman mit veränderten Namen schreibt, aber dann auf der Innenseite des Covers ein Photo der Exfreundin abdruckt. Und das ganze dann in die Stadtbibliothek einstellt, in der absurden Hoffnung, jene welche würde es lesen und danach mit einem sprechen. Wenn es nicht so ausgesprochen blöde, gemein und albern gewesen wäre, müßte man darüber lauthals lachen. Bis auf dieses eine in dem fraglichen verschwundenen Buche befindliche Exemplar habe ich sie alle aufgefunden und zernichtet. []
  5. Woher hat die Person dieses Buch aus grauer Vergangenheit, woher weiß sie meine Wohnschnecken-Adresse, was zum Teufel reitet sie, es mir zu schicken und dann auch noch ausgerechnet aus Holland, welches in Bezug auf Vergänglichkeit mithin geradzu symbolischen Wert erlangt hat?! []
  6. Über das 30. Jahr habe ich schon ganz am Beginn des Blogs geschrieben. In der Tat gebar es nicht nur das Smâ, sondern ließ etliche Kreise sich schließen. Daß ich ausgerechnet 30 Monate danach eine Nach-Richt aus Holland bekomme, ist schon bemerkenswert. []
  7. In der Tat beruht die Figur des Cornelius aus den Spaltenzungen, der sich selbst auffrißt, um mehr über sich herauszufinden, auf genau diesem… nennen wir es Wahn. []
  8. “Zwei Lämmer im Wolfspelz”, “Von Elfen und Häusern”, “In des Gottes Ei” und “Zwei Ritter” kann man auch hier auf der Seite lesen. Aber auch ein paar andere Sachen aus der Zeit: “Von Rittern und Hexen”, “Existentielle Diskussion”, “Im schönen Blumenland” und “Der Denker”. Aber vielleicht noch wesentlich wichtiger sind die Geschichten, die weiterwuchsen und schließlich zu großen Geschichten wie “Der Beduine” (“Irgendwo im Nirgendwo”, “Der Hain”, z.B.) wurden. []

[Norman Liebold, 25.06.2007
Nähkästchen
Kommentare: 1 KOmmentar » ]



    Norman Liebold sagt am 26. Dezember 2007

    In der Tat habe ich mir die Mühe gemacht, diesen ganzen alten Kram zu digitalisieren und zwecks Dokumentation in das “Kuriositätenkabinett” zu stellen. Auch wenn die Texte mehr als nur miserabel sind und es gut ist, daß die fünf Heftchen längst in den Orkus des nichtmehrkäuflicherwerbbaren Vergessens übergetreten sind, ist es zuweilen eine interessante Erfahrung, auf die Anfänge schauen zu können…


    .

Sagen Sie etwas dazu!




Wirklich seltsame Post | Wink mit dem Zaunpfahl #666?

DAS LIEBLOG

Weblog des Schriftstellers, Künstlers und Performing Artists Norman Liebold