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DAS LIEBLOG

Weblog des Schriftstellers, Künstlers und Performing Artists Norman Liebold

Oktober, 2006

eine lanze für herrn moers

Von Norman Liebold geschrieben am: 30.10.2006 unter Nähkästchen

ich war heute in der buchhandlung “seidel&millinger” zu oberpleis, um mir ein bestelltes buch abzuholen. der herr ist ein ganz lieber solcher und durchaus auch idealist mal gewesen. 2003 hielt ich bei ihm sogar einige lesungen.

ein schönes detail ist, daß, als ich ihn nach immerhin einigen jahren wiedersah, mein erster, höchst verdutzter ausspruch war: ‘mein gott, siehst du gesund aus, hast du mit rauchen aufgehört?’
es ist mir wirklich nur ‘rausgerutscht. aber in der tat, es stimmte — was mich gemahnt an den spontan herausgeworfenden ausspruch jensers, als wir uns nach immerhin einem jahr nicht-virtuell wiedersahen: ‘scheiße, siehst du gesund aus!’ *g*
ich hatte per telephon walter moers “rumo & die wunder im dunkeln” bestellt, und als ich das buch durchblätterte, sah ich die skeptische miene des buchladenbesitzers, der jetzt gar keine lesungen mehr macht aus materiellen gründen… (diskussion ausgespart)

ich möchte gar nichts zur verteidigung von herrn moers sagen, die braucht er nicht. dazu ist der der herr moers schlicht zu geil. mSternchen verführte mich zu den “13 1/2 leben des käptn blaubär”, ich selbst saugte mir die “stadt der träumenden bücher” als süchtiger ein, und schenkte sie jüngstens der liebsten freundin überhaupt, um den virus zu übertragen.

aber kurzum: ich habe an der uni gelernt, die besten werden stets übersehen. und, um mich zu outen, meine lieblingsautoren heißen nicht goethe, schiller, joyce. sie heißen eher michael ende… (momo, seufz). ich finde harry potter wunderbar, und walter moers ebenfalls…

also, wer alle liebolds gelesen hat, wende sich zuerst an michale ende, dann an walter moers und dann an ronja räubertochter. *harharhar*
die harten mögen sich an hartmann halten oder an wolfram.
derer von eschenbach.
da hilft auch nichtrauchertum nicht; den graal braucher wir alle.

KOMMENTARE

Ludovika (2.11.06 10:30)
Jaaaa, mich hat’s nun auch erwischt. Nicht daß mich ein Virus aus der Sauwetterzone infizieren könnte, schließlich leb ich nicht beinamputierten Schneckenhäusern, sondern in einem Haus aus Stein, zwar mit Katakombennähe, sodaß sich zumindest um den Fuß gebundene Lumpen empfehlen, aber immerhin droht’s mein Haus nicht zu zerreißen, wenn der Herbststurm seinen mehr als reichlichen Schabernack treibt.
Dem Herbststurm sei Dank, denn er hat mich wieder ein wenig von der Arbeitswut befreit und mich für das Virus Moers anfällig gemacht.
Heilung verspricht da nur Tee und heißer Apfelmost zusammen mit einem zeitigen Ins-Bett-verkriechen, Sturm Tosen hören und Mini-Lämpchen zur Beleuchtung der eng bedruckten Seiten – bis einem das Buch aus der Hand gleitet und frau seelig von träumenden Büchern weiterträumt…
Danke!!!

norman (2.11.06 19:59)
genau. jetzt. blöderweise ist rumo alle. für mich blöderweise, bin ganz traurig. wahrscheinlich für dich ein grund dich zu freuen. ich näh’ ihm morgen zwei fledermausflügel an, schmiere ihn mit wohnschnecken-schleim ein, elektrisiere ihn, indem ich seine eselsohren in die steckdose halte (worauf er zu flattern beginnt) und schmeiß ihn in hohen bogen über den harz.
und eins steht doch mal fest: meine beinamputierte wohnschnecke zerreißt es nicht so schnell. sie ist – wie ich – baujahr 76 und hat entsprechend schon einige stürme überlebt! du unterschätzt sie, auch wenn sie behindert ist!



[Norman Liebold, 30.10.2006
Nähkästchen
Kommentare: 1 KOmmentar » ]


von der größe der drachen

Von Norman Liebold geschrieben am: 27.10.2006 unter PhiloBlog

blick von der löwen- auf die drachenburg

eine sache, die mich schon immer interessiert hat, ist die der größe von drachen.

[Zum Rest des Beitrages! »]



[Norman Liebold, 27.10.2006
PhiloBlog
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bitte um nachsicht | schädel-angst

Von Norman Liebold geschrieben am: 26.10.2006 unter Nähkästchen

pressebild von der totentanz-premiere, 22.02.2000ich möchte die leser des liebLOGs um nachsicht bitten, daß ich in den letzten tagen meinem anfänglich im brustton der überzeugung formulierten versprechen untreu ward, ganz und gar regelmäßig zu bloggen.
ich lebte im untergrund und kroch durch die kanalisation von freund zu freund, hier einen harten kanten brot, da ein schälchen müsli erbettelnd, bzw. fuhr kreuz und quer im zickzack durchs land, die ganze zeit zutiefst verstört von den nicht abreißenden, alle kreise durchziehenden radio-berichten der schrecklichen, unaussprechlichen leichenschändungen in afghanistan…
ich bin nämlich in gefahr, deshalb bin ich abgetaucht.
im generalanzeiger bonn, februar 2000, erschien ein photo von mir anläßlich des berichtes über die premiere meines “totentanzes”.
und auf diesem photo bin ich in der tat mit einem totenschädel zu bewundern.

leider muß ich damit rechnen, daß mir niemand glauben wird, daß das mSternchens schädel ist, und dieser ihn mir ganz freiwillig ausgeliehen hat (immerhin durfte ich ihn ja auch auf der bühne anderweitig als marionette benutzen).
schließlich fragt ja auch niemand, warum in afghanistan überhaupt schädel herum liegen. wie war das noch, das mit dem krieg? mh… die sau greift das land an, weil dieses den mutmaßlichen attentäter – so er sich denn im lande aufhalten sollte – nicht der sau, sondern lediglich der uno ausliefern wolle… naja, im raki hat man ja auch kein haar gefunden, geschweife denn giftgas, bio- oder atomwaffen…

in diesem bezug – das wird ja immer deutlicher – ist sowieso nicht nur das ganze abendland ziemlich am arsch, sondern die kultur überdies bedroht. ich meine, man denke nur an eines der berühmtesten theaterstücke…

[Hamlet] throws up a shovelful of earth with a skull in it.
HAM. That skull had a tongue in it, and could sing once. How the knave jowls it to the ground, as if ’twere Cain’s jaw-bone, that did the first murder! This might be the pate of a politician, which this ass now o’erreaches, one that would circumvent God, might it not?
HOR. It might, my lord.
HAM. Or of a courtier, which could say, »Good morrow, sweet lord! How dost thou, sweet lord?« This might be my Lord Such-a-one, that prais’d my Lord Such-a-one’s horse when ‘a [meant] to beg it, might it not?
HOR. Ay, my lord.”
(The Tragedy of Hamlet, Prince of Denmark. Shakespeare-Riverside, S. 1178)

(das ist nicht ernst gemeint, ich war nur viel unterwegs, dazu später)



[Norman Liebold, 26.10.2006
Nähkästchen
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vom nachteil des weltarsches

Von Norman Liebold geschrieben am: 26.10.2006 unter Nähkästchen

[eudenbach, nachtrag] ich bin ja zur zeit am arsch der welt. das ist auch ganz okay so. ich brauch ja ruhe und so. wegen der kuhdrachen, sprich des büffelns. und so. hat aber auch nachteile. echt. besonders bei zerstreuten magistern. von dem netten boier hab ich ja erzählt, net? dem seine bücher, die hab ich ganz persönlich in die post gebracht. und so. echt. extra mit dem brumbrum bis in die stadt und so. stehste so da, legst das dicke paket auf’n post-tresen, greifst dir an den arsch und denkst: scheiße.
neben der vielen, vielen vorteile und der durchaus auch vorhandenen nachteile stellt man dann fest: den weltarsch merkt man durchaus auch daran, daß man, so man so blöde ist, sein portemonnaie zu vergessen, einmal hin und wieder zurück brausen muß.
wodurch man lernt: auf dem land merkt man seine blödheit viel deutlicher als in der stadt, ganz entgegen der sonstigen vorurteile.



[Norman Liebold, 26.10.2006
Nähkästchen
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ossiwossi

Von Norman Liebold geschrieben am: 21.10.2006 unter Nähkästchen

[Eudenbach] 471 Kilo Meter. Heute waren sie erstaunlich leicht: weniger als vier Stunden schwer. Dasjenige meiner Heime, das fürs Wandern konzipiert, dann jedoch eingefangen und angekettet an einem Ort zu bleiben gezwungen wurde, indem man ihm die Beine amputierte, hat mich ersteinmal wieder – der Ort, der hinter den Sieben Bergen bei den 666 Plastikgartenzwergen liegt, weniger als 3 Kilo Meter von der “Grube Altglück” entfernt, wo (nachweislich!) Schneewittchen in den sauren Apfel biß.
Es war eine erstaunlich schöne Fahrt, der Thüringer Wald ist schon ganz vom Maler Herbst bunt gemacht, Nebel hing in Hessen zwischen den Bergen, das Siebengebirge begrüßte mich mit einem Sonnenuntergang unter schweren, dunkelgrauen Wolken und einer dieser wunderbaren Pizzen bei Pizza Mann in Oberpleisens Fachwerkgeschachtel und dieser wunderlich-wunderbaren Lichtmischung aus lauer Luft, Kunstlicht und Dämmerung, wie sie nur der Herbst im Gebirge machen kann.
Ich freue mich jetzt ersteinmal auf einen schönen, bunten Herbst im Siebengebirge, kuscheligen Leseabenden und wilden Spiele-Orgien beim Meisterspieler mSternchen. Uni-Geklöne mit alten und jüngeren Exkommiliton(inn)en und anderen angenehmen Dingen. Ich hätte nicht gedacht, dies einmal zugeben zu müssen, aber irgendetwas an diesem Rheinland ist mir wohl doch wesentlich näher ans Herz gewachsen, als ich geglaubt hätte. Ich habe es nachgerade und richtiggehend vermißt…



[Norman Liebold, 21.10.2006
Nähkästchen
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gerade mal beim aufregen…

Von Norman Liebold geschrieben am: 19.10.2006 unter ZitateWut

“In einem neuen Regierungsdokument erheben die USA Anspruch auf uneingeschränkten Handlungsspielraum im All. [...] Zugleich beanspruchen die USA für sich das Recht, ‘Feinden’ eine derartige Handlungsfreiheit im All zu verwehren. [...] Präsident George W. Bush unterzeichnete das Dokument bereits am 31. August.” (dpa, von heute)

ich habs geahnt, die marsmännchen sind als nächstes dran. zuerst die gelben, dann die grünen, jaja! wie heißt das auf marsianisch?: “wer nicht mit uns ist, ist gegen uns!” möge die macht mit uns sein. kch… kch…kch…



[Norman Liebold, 19.10.2006
ZitateWut
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25 minuten halbedelsteinscharlatanerei

Von Norman Liebold geschrieben am: 19.10.2006 unter Nähkästchen

mein exzimmer in der freakshow
die frage, ob ich noch an demselben tag oder erst am nächsten den im vorletzten beitrag angedeuteten lachanfall bekäme, beantwortete sich in mehrfacher hinsicht nach weniger als 25 minuten.
die erste bestätigung der erwartung zeigte sich beim öffnen der tür zum “seminar für geomantie1”. meine erwartungen wurden bei weitem übertroffen. es hatte 3 – in worten drei – teilnehmer, wobei “teilnehmer” den referenten und den sgn. veranstalter (nennen wir ihn PeterLustig2) miteinrechnen. die dritte person, eine frau, schien mitgebracht worden zu sein, ein bekanntheitsverhältnis war kaum zu ignorieren.
es dauerte in der tat 15 minuten, bis sich mein doch esotherischen themen durchaus zugeneigtes wesen innerlich umkrempelte. bei den rosenkreuzern brauchte es immerhin eine stunde, obgleich hier die abzocke offensichtlich war und das wilde kreuzen sämtlich denkbarer religionen zu amüsanten mischwesen. allein erhob man hier zumindest keinen wissenschaftlichen anspruch, und glauben darf man ja zumeist, was man will.3 ich hatte allerdings nicht die zeit (wie zum beispiel bei den mSternchen wohlbekannten bovis-einheiten4), über die phasen des ungemein interessierten fast-jüngers(käufers?), des neugierig fragenden, des kritisch bohrenden zum bösartigen skeptiker zu werden, da bereits meine vom referenten willkommen geheißene bitten um klärung etwas, mh, zweideutiger begriffslagen (heisenbergsche unschärferelation der psyche, z.B., berufung auf an keiner stelle sonst bekannter gottheiten, die von ihm gechannelt um die wahrheit wissen) wie erwartet heftig geahndet wurden –
PeterLustig erfüllte eine weitere erwartung, indem er die fraglose übernahme des gesagten oder das verlassen des raumes forderte5. [...] 

dinge haben grenzen, und eigentlich glaubte ich, daß das auf-den-tisch-legen-der-schlüssel so ziemlich das eindeutigste ist, was man tun kann. es ist traurig, wenn man dann soetwas auch noch… mehrfach wiederholen muß, ehe es durchsickert.

mal was positives: ich fühle mich unglaublich erleichtert, schwebe, lache, freue mich und schaue auf âventiuren

  1. geo|man|tie, geo|man|tik – griech., neulat. kunst, aus linien u. figuren im sand wahrzusagen. []
  2. wegen des löwenzahns []
  3. sofern man in kauf nimmt, verbrannt zu werden, natürlich []
  4. bovis-einheit. äußert amüsente maßeinheit, mit der besonders auf esotherik-messen die qualität von produkten beworben wird, wobei sie verwandt wird wie empirisch meßbare größen. neben der nennung immens einfallsreicher und geradewegs aus star-trek stammender meßgeräte zeigt sich denn bei hartnäckigem nachforschen, daß es sich um die anzahl der pendeldrehungen pro zeiteinheit handelt – wobei das pendel im innern der cheopspyramide definitiv als waffe einsetzbar wäre… :-D lustiger link. []
  5. zugegebenermaßen eine pöser-pupe-aktion, lieferte er mir damit doch die erwünschte steilvorlage (wie uSternchen sagen würde)… vielleicht hätte ich doch als frau auf die welt kommen sollen []


[Norman Liebold, 19.10.2006
Nähkästchen
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offene fluchtwege | rechts geknickte flüsse | geständnis des pösen pupen

Von Norman Liebold geschrieben am: 18.10.2006 unter Nähkästchen

dieser eintrag ist nicht pc. aber er ist vielleicht relevant für eine baldige neue story. er bezieht sich auf taraxacum officinale* und wirft kein gutes licht auf mich.** ich möchte es an dieser stelle vor allem darum festhalten, um einen vergleichswert zu besitzen – zu morgen, um genau zu sein, wenn ich den ort wieder verlasse, zu dem ich heute nachmittag aufbreche.

das meinerseitig unfaire daran ist, daß ich mich effektiv verhalte wie eine frau***, die im grunde bereits seit (un)langer zeit weiß oder doch schon mit der erkenntnis ringt, daß das weiterführen einer beziehung keinen rechten sinn hat – aber noch (mehr oder minder) gute miene zum bösen spiel macht, seis aus “rücksichtnahme” (arg!) oder um sich möglichkeiten offenzuhalten (armselig, aber hier zutreffend). grundsätzlich vermeide ich dergleichen vollständig, ja, erachte es als verwerflich . andererseits bin ich wohl wieder mal übermoralisch, denn im grunde habe ich die – geschäftliche (was wohl erwähnt werden sollte, auch wenn es verräterisch ist) – “verbindung” bereits vor einem monat aufgekündigt und vor zwei wochen meinen kram aus der wohnung entfernt, um eine metapher zu benutzen, die zugleich realität ist. der gründe gab es vielerlei und sind im pusteblumischen gedankenfaden mit etlichen löwenzähnen von vorn und hinten benagt worden. tatsächlich erzeigte sich, daß, als das maul löwenzahnig aufreißend laut geäußert werden mußte: “nein, schluß, ende, so geht das nicht, (sorry)”, daß zum nicht geringen staunen die andere seite beginnt, winselnd jede erwünschte konzession zu machen (auch hier in der tat eine msutergültige parallelität zur ars amatoria) allein erzeigt sich denn doch bei nächstbester gelegenheit, daß gewisse grundlegende muster (seien sie nun in der unglaublichen blödigkeit des anderen, der eigenen dummheit oder in der spezifischen kombination beider gegeben) offenbar untilgbar sind und wenn schon nichts anderes, so doch eben erhebliche herumärgerei zur folge haben – und das genau jene welche seit unlanger zeit nicht zu den dingen gehört, die man bereit ist, bis hinter die dicke 3 zu schleifen. man möchte ja frieden, freude und zuweilen einen gut gemachten eierkuchen, aber zum einen kann man diesen mit einem trangia-spirituskocher überall zubereiten, zum anderen muß man sich in letzterem falle nicht moralisch prostituieren und wider jeder vernunft handeln, bzw nach dem muster, das snej wie üblich völlig eloquent beschreibt mit:
“das problem ist halt, dass man gerne mal die schuld auf sich schiebt, oder sich denkt ‘wenn ich das noch mache, dann ist alles vorbei und wenigstens war ich nicht das arschloch an der sache’ oder eine von 300.000 varianten dieses grundsaetzlichen gedankenmusters… und wohin fuehrt das? zu [piiiiiep], in meinem fall.” – “[piiiiep]” ist bei mir halt nicht “[piiiiep]“, sondern vielmehr “[pöööööp]“, aber letzthin ist es doch das gleiche, wenn es auch nicht um “[piiiiiiiieeeeep]“, sondern um “[piep]” geht.
nungut denn, das gemeine an meinem verhalten ist hierbei nicht nur, daß ich alle meine vermissungsintensiven sachen bereits vor wochen klammheimlich aus der gemeinsamen wohnung entfernte, um etwaige flüge geliebter teetassen oder klarinetten eine gewisse klippe herunter ganz perfide von vornherein auszuschließen. sondern vielmehr, daß ich heute nachmittag hinunter fahre, um mich gewissermaßen nocheinmal sicherheitshalber von der richtigkeit meiner vielleicht arg zu subjektiv eingefärbten einschätzung zu überzeugen und dabei bereits der innerlichen distanz zu pflegen, die man nur innehat, sofern man längst mit einer sache abschloß. mit nicht geringer wahrscheinlichkeit wird dies zur folge haben, daß ich möglicherweise bereits heute abend, mit sicherheit aber morgen mittag den berühmt-berüchtigten lachanfall bekomme, den jenser zu hassen lernte, als er mich aus der versammlung der hochheiligen rosenkreuzer unter überaus vernichtenden blicken hatte herausschleifen müssen, weil ich – vor lachen – nicht mehr laufen konnte. diesmal hat das zwar nichts mit gekreuzigten rosen zu tun, sondern ist nur geokomisch, aber auch hier ist eine gewisse parallelität nicht zu verleugnen. Aber weder Geokomiker noch Zombipianisten sind letzthin ausschlaggebend, ja noch nicht einmal braunfleckige Soße,  [...] und andere seuchen****. sondern die nie abreißende (un)notwendigkeit, (un)freundlich zu werden.
in diesem sinne werde ich mir morgen ein eisenbahnwegscharlatanisierendes halbedelstein-”seminar” ins kleine-zeh-chakra ziehen [...], um dann eine hoffentlich noch höflich gestaltbare schlüsselübergabe abzuhalten – die, trotzdem bereits angekündigt (und wie üblich, da aus anderem munde, nicht mitgeschnitten), den moralischen makel hat, daß ich sie einige stunden unerwähnt lasse, um mir eine mehr oder minder objektive meinung bilden zu können.

ist das amoralisch?

wenn ich denn schon lanzen brechen will, dann doch zumindest nicht “dem ungewissen manne” (Iw 3857) (und, in diesem kontext, wie herr îwein für den löwen und nicht für den drachen).

* auch als hunde-, kuh- oder auch pusteblume bekannt.
** was das schimmelige leuchten bezgl. anderer angeht, halte ich mich soweit mögl. und nicht zur sel
strechtfertigung notwendig zurück.
**** ich bitte diese scheinbare polemisierung zu entschuldigen, sie ist lediglich in meiner subjektivität begründet, da eine solche konstellation aus meiner sicht zwangsläufig mit weiblichen vertretern unserer spezies konotiert ist.
**** trotzdem dieser aspekt durchaus nicht zu ignorieren ist, auch in der ausprägung, daß speziell gemeinte menschen dank mangelnder dialektaler sprachfärbung in unkenntnis meiner herkunft meinungen äußerten, die ossis als eine art untermensch betrachten…



[Norman Liebold, 18.10.2006
Nähkästchen
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Was braucht der Mann? | Pseudophilosophisches über rechte Bedürfnisse

Von Norman Liebold geschrieben am: 18.10.2006 unter Nähkästchen

Es gab einmal eine Zeit, da war der “Norman mit der kleinen grünen Tasche” eine Art Klischee oder gar ein Mythos – denn in der Tat schien es, als bräuchte er nicht mehr, ganz gleich, wohin es ihn per Daumen, Zug oder wie auch immer verschlug. Das ist allerdings ziemlich lange her (um ehrlich zu sein, ging ich da noch zur Schule). Eine Zeitlang war ich in der Tat regelrecht seßhaft, und aus der Zeit blieb irgendwie ein überentwickeltes Gefühl übrig, was man denn so alles brauche – während mein Benutzen jedoch schon nach wenigen Monaten wieder normalisiert hatte.
Das mündete gewissermaßen in die Absurdität, einen Haufen Zeugs mit mir herumzuschleppen, von dem ich, wie sich herausstellte, nur die Hälfte benutze. Was ja im Grunde (dank großem Kofferraum) kein Problem ist, sich jedoch am wieder emporgestiegenen Grüntaschen-Ideal schubbert und kratzt und mit leisem Kopfschütteln betrachtet wird. Es ist dies faktisch ein philosophisches, aber nicht nur ein philosophisches Problem*, das sich subsumieren läßt unter der banal klingenden Frage: Was braucht der Mann? – oder, allgemeinmenschlicher, warauf kommt es wirklich an?

eine insel im see - teekochen im maria laach, august 2006

Wohlgemerkt: die praktische Seite an dieser Frage erhebt durchaus einen nicht geringen Anspruch, nämlich: sämtliche denkbaren Arbeiten sollen ohne jeden Qualitätsverlust ebenso mit diesen Dingen realisierbar sein, wie dies für die persönlichen Bedürfnisse gilt.**
Tatsächlich zeigt sich, daß dies nicht nur problemlos möglich ist (auch wenn natürlich nicht grüntaschentechnisch, sondern lediglich kofferraumbezogen – die Bedürfnisse sind in der Tat gestiegen), sondern die Schwierigkeit mehr in der noch bestehenden Überschätzung der notwendigen Dinge besteht. Daß sich die Frage wiedereinmal stellt, hat weniger philosophische, sondern mehr spaltenzüngelnde Kreisschließgründe im Sinne der Reinterpretation von “Wurzellosigkeit” zu “Freiheit”. Das ist nicht neu, mein Lieblingslehrer in der Sekundarstufe II, Klingbeil, pflegte das vor 11 Jahren als “lieboldische Häutung” zu bezeichnen. Interessant an dieser Sache ist vielmehr der ans lächerliche grenzende Einfluß, den offensichtlich die 7 Jahre währende wissenschaftliche Ausbildung darauf hat – oder ist eine Art Liste, in der die Dinge samt ihrer Bezüge und Abhängigkeiten verzeichnet sind (einschließlich ihrer psychologischen, ideologischen und symbolischen Semantik), und in der in der Tat die Benutzung und der Grad ihrer Notwendigkeit festgehalten wird, etwa nicht lächerlich – insbesondere, wenn damit die Idee verbunden ist, ein Art idealen Zustand zu erreichen, möglicherweise sogar die “falschen Bedürfnisse” zu erkennen und mit glüejenden îsen auszubrennen… interessant jedenfalls, daß alte Wahnideen niemals aufhören, sondern nur schlummern – mit einem offenen Auge, des Momentes harrend, um wieder in den Vordergrund zu hüpfen und irre zu lachen.
Die Kunst dabei dürfte wohl lediglich sein, dies mit einem gewissen amüsierten Lächeln zu übergehen, wodurch der Wahnidee das irr-triumphale Lachen im pathetisch geblähten Halse stecken bleibt und sie mit hängenden Schultern von den Brettern schlurft, die das Ich bedeuten – natürlich bedeutet dieses umfangreiche Geschwätz im Grunde nicht wesentlich mehr als daß ich Sehnsucht nach Spieleabende in Bonn habe und erstmal wieder der Stützpunkt wechsle…

* das praktische am philosophischen problem ist, daß das mehrgewicht sprit kostet, dir erwähnten kofferraum vermüllt und – das vor allem – es so unheimlich angenehm praktisch wäre, eine reihe von vordefinierten dingen zu haben, die man genau kennt und damit um das ewige auswählen und herumsuchen kommt, wenn man wiedermal von einem stützpunkt für unbestimmte zeit zu einem anderen wechselt… von der kofferraum-vermüllung zu schweigen.
** was die arbeiten betrifft, ist das allerdings bereits seit 2004 der fall, wiederum ist hier lediglich ein zuviel zu bemängeln, nämlich ein haufen krimskrams, den man dann doch nie braucht.



[Norman Liebold, 18.10.2006
Nähkästchen
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mike wolf gestorben | kleiner nachruf

Von Norman Liebold geschrieben am: 16.10.2006 unter Nähkästchen

[leipzig] gerade wurde mir berichtet, daß mike wolf gestorben ist.

mike war ein maler aus siegburg, der stadt, in der ich mit mehreren, mehrere jahre dauernden unterbrechungen doch immerhin etwa 15 jahre lang immer wieder mal gelebt habe.
mike und ich hatten ein durchaus eigenartig zu nennendes aber doch eben enges verhältnis, denn wir waren in einer weise unterschiedlich, daß wir uns – auf der anderen seite des kreisbogens bereits wieder einander annäherten.

ich war, ehrlich gesagt, geschockt, denn mike war in etwa so alt wie ich, und wie er mir, so hatte ich ihm stets das gewünscht, wonach er neben den bunten feuerwerken des wilden lebens doch mit offenem auge stets gesucht hat – ohne seine toleranz und eben seine offenheit zu verlieren: diesen kleinen funken, der uns friede schenkt.
an dieser stelle könnte ich viele worte über seine kunst verlieren, über stil, bemühen, aussagen. aber das alles wäre letztlich bedeutungslos und ich hätte nicht die kompetenz dazu. was ich aber sagen kann, ist, daß es für seine kunst gelebt hat und dass es kunst ist – und das ist das größte, was von einem künstler zu sagen ist. mike konnte sich nie recht mit meinem antiquiert-sprachverliebten-unprovokanten literatur-ausfluß anfreunden, was ich gut verstehen konnte, aber ich sah ihn gerne und oft auf meinen veranstaltungen – wie umgekehrt ganz genauso.

es ist schade, wirklich schade, daß er gegangen ist. er dachte mit und hörte zu.

als ich hörte, daß er bis zum ende “wie ein besessender” gearbeitet hat, freute ich mich. auch, daß er es mit dem blick aufs meer hat tun können.

die ausstellungseröffnung seiner werke ist am 24.11.2006 im Cevim siegburg. das ist der vorabend zu meinem 30.. Ich denke, ich werde nichts besseres zu tun haben können, als von sachsen ins rheinland durchzubrettern, um auf ihn anzustossen — man sieht sich!

KOMMENTARE

Martün (17.10.06 17:02)
ich werde da sein

norman / Website (17.10.06 17:13)
na, mit d i r habe ich eh ein bierchen/coktälchen zu saufen! wies ausschaut, schon nächste woche . grillen bzw. grillen fangen mit den 666 zwergen ist auch denkbar.



[Norman Liebold, 16.10.2006
Nähkästchen
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